Auf die Zielgerade eingebogen

Nächste Woche wird mein „Chronist“ unter dem Titel „Heute keine Schüsse“ veröffentlicht.

Es ist schwierig ein Buch professionell zu veröffentlichen. Ohne Hilfe von Fachleuten  hätte ich das Coverdesign und einen professionellen Buchsatz nicht hinbekommen. Ob der Inhalt interessierte Leser findet, muss sich erst noch zeigen. Auch da wird es ohne die Mittel und Kontakte, die ein Verlag hat, schwierig werden. Die Branche sagt: für jedes gute Buch gibt es eine Leserschaft, man muss sie nur finden. Ok – dann werde ich mich demnächst einmal auf den Weg machen: Buch sucht Leser !

 

„das ist gut, was Sie da geschrieben haben, aber leider …“

„Der Chronist“  scheint in kein gängiges Verlagsprogramm zu passen.

Aber ich kann das Buch nicht „passend“ schreiben. Also werde ich den Weg des Self-Publishing wählen und den Chronisten unter „Heute keine Schüsse“ bei Tredition veröffentlichen. Streng genommen also kein reines Self-Publishing, da mir Tredition als „Verlagsdienstleister“  einige typische Selbstverleger-Aufgaben abnimmt. Ich muss mir keine Druckerei suchen und nicht überlegen, wie ich an die ISBN Nummern komme. Auch die Listung des Buches auf allen möglichen Plattformen und den Verkauf nimmt mir Tredition ab. Aber Lektorat, Cover, Klappentext … das alles muss ich selbst organisieren.

Gar nicht so einfach, das passende Cover festzulegen, einen Klappentext zu entwerfen, die richtige Schrift zu bestimmen, die Nutzungsrechte der Bilder zu klären …

und Marketing kommt auch noch ….

 

Mein Fazit der Frankfurter Buchmesse

Jetzt weiß ich zumindest ziemlich sicher, was ich nicht will.

Aber vorn vorne: „Der Chronist“, ein fiktives Tagebuch der Weimarer Republik tut sich schwer eine Agentur oder, im besten Falle, einen Verlag zu finden. Dabei ist die Resonanz auf das Manuskript durchaus positiv, es passt aber nicht in die üblichen Verlagsgenre. Ein historischer Roman, der meinen Protagonisten Walter handelnd und liebend in den Mittelpunkt der Geschichte stellt oder ein Krimi, der  in der Weimarer Zeit spielt, hätten es da leichter.

Das ist „Der Chronist“ aber nicht.

Meine Absicht war, die gesellschafts- und kulturpolitischen Ereignisse der Weimarer Zeit, die geschichtlichen Fakten und Details des damaligen Lebens mit einer fiktiven, spannenden Erzählung zu verknüpfen.

Im November 2018 hat die Weimarer Republik 100jähriges Gründungsjubiläum. Der Herbst 2018 wäre also ein guter Zeitpunkt das Buch zu veröffentlichen. Der Weg vom Manuskript zum fertigen Buch ist lang, daher drängt die Zeit.  Auf der Buchmesse habe ich  nach Alternativen zur klassischen Verlagsveröffentlichung gesucht.

Erster Eindruck: Die Selfpublishergemeinde ist auf dem Weg in die Professionalität.  Professionelles Lektorat und Coverdesign  setzen sich immer mehr durch. So eben mal ein Manuskript hochladen, Cover am PC zusammenbasteln,  ISBN  einfügen und ab in den Verkauf ist nicht mehr allgemein bevorzugter Standard. Fast alle Dienstleistungsverlage bieten mittlerweile gute Pakete zur schrittweisen Professionalisierung in Buchinhalt, Buchgestaltung und Buchmarketing an. Es lohnt, Preise und Konditionen zu vergleichen.

Und es gibt da noch die Möglichkeit, das lektorierte Buch selbst drucken zu lassen und in den Verkauf zu bringen. Falls sich die Bücher verkaufen, ist der eigene Gewinn pro Buch natürlich größer, wenn kein anderer Dienstleister mitverdient.  Durchaus eine Überlegung wert, Lektorat und Coverdesign sind nämlich nicht billig.

Erste Sache, die ich auf keinen Fall will: Den Verkauf organisieren. Spätestens bei der Darlegung der Notwendigkeit der Beschaffung einer Verpackungslizenz zum Buchversand war das Thema für mich erledigt.  Aber auch dafür gibt es Dienstleister.

Fazit: Irgendwie werde ich den „Chronisten“  schon professionell in Druck bringen.

Bleibt das Marketing. Es reicht nicht, ein gutes Buch zu schreiben und zu verlegen; die potentiellen Leser müssen  informiert, beworben  und überzeugt werden  gerade dieses tolle  Buch und kein anderes der vielen Neuerscheinungen zu kaufen.

Auch hier bietet die Branche eine Vielzahl an Marketingdienstleistern. Da sollte man vorsichtig sein. Vieles, was  als professionelle Marketingstrategie für teures Geld angeboten wird, z.B. das Buch ins Barsortiment der Buchhändler bringen, ist bei Dienstleistern wie Epubli, Tredition, BoD u.a. kostenloser Standard Und manches funktioniert   nur mit persönlichen Einsatz: Was nutzt eine professionelle Website oder eine Autorenseite bei FB, wenn kein Content geliefert wird? Und mit Lovelybooks lässt sich auch nur die Bekanntheit eines Buches generieren, wenn sich der Autor selbst z.B. in Leserunden engagiert.

Fazit: Marketing ist Arbeit und kann teuer werden.  Man kann vieles, aber nicht alles einkaufen. Marketing ist notwendig, gerade für Selfpublisher.

Und noch ein Fazit,  das ich nach der Buchmesse gezogen habe: Im Marketing ist jeder engagierte Verlag besser aufgestellt als ich das gegenwärtig bin.

Und da beißt sich der Hund  in den Schwanz: Also doch im Verlag veröffentlichen?  Aber bis ich die großen Verlage davon überzeugt habe, gerade den „Chronisten“ zu verlegen, dürfte das Gründungsjubiläum der Weimarer Republik schon lange Geschichte sein.

Als ich dann meine Beute von der Buchmesse sortierte, fiel mir wieder  der Katalog der unabhängigen Verlage in die Hände.

„Wir leben vom Mythos und nicht von der Stückzahl“ (Barbara Kalender und Jörg Schröder,  März Verlag).

Einen Versuch sollte es auf jeden Fall wert sein. Das Manuskript des Chronisten ist derzeit im professionellen Lektorat. Vielleicht kann ich einen der  kleineren Verlage  davon überzeugen  ein bereits lektoriertes Manuskript anzunehmen.

Wenn ich es nicht versuche, werde ich es nie erfahren.

 

Nichts ist so, wie es scheint

Der Krimi „Kalte Rache – Ein Fall für Schmalenbeck und Paulsen“  jetzt als eBook bei dotbooks.

Mord in Hamburgs angesehener Gesellschaft: Der Geschäftsführer und Erbe der Kaffeerösterei Hansen wird ermordet aufgefunden. Schon bald stellt die Polizei fest, dass das Opfer nach der Tat abgeschminkt wurde – hat Ludwig Hansen ein geheimes Doppelleben geführt? Die Kommissare Schmalenbeck und Paulsen ermitteln in alle Richtungen. Eine Zeugin behauptet, einen Drogenkurier in der Mordnacht am Haus des Opfers gesehen zu haben, doch gleichzeitig rückt auch die Familie Hansen immer mehr in den Fokus der Ermittlungen – denn nicht alle waren mit Ludwigs Geschäftspraktiken einverstanden …

Mysteriöse Familiengeheimnisse, dubiose Verdächtige und dunkle Pfade in die Vergangenheit – der erste nordisch-herbe Fall für das sympathische Ermittlerduo Schmalenbeck und Paulsen.

E Book, 5,99 € , ca. 300 Seiten

auch bei Amazon, Thalia, Weltbild 

wenn …dann

Ich weiß, ich mache alles richtig. So etwas muss gewissenhaft überlegt sein. Als sie ging, bin ich aufgestanden und rief im Büro an. Ich nahm mir für den ganzen Tag frei. Mein Chef war  nicht einverstanden. Urlaub! Eine Stunde vor Arbeitsbeginn!  Ich bot ihm an, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Und ich fügte erklärend hinzu, dass ich auf keinen Fall ins Büro kommen könne, dass ich wichtige Dinge zu entscheiden hätte und den ganzen Tag bräuchte, um darüber nachzudenken. Ich merkte, dass er mir nicht glaubte, aber es war mir egal. Sollte er mir kündigen! Ab morgen würde ich ohnehin nicht mehr zur Arbeit gehen – wenn ich heute die richtigen Entscheidungen traf. Aber dafür brauchte ich Zeit. Und eine Idee, wie ich systematisch und organisiert an die Sache herangehen konnte. Papier und Bleistift brauchte ich. Viel Papier! Und einen Radiergummi. Ich würde alles in Listen eintragen und dann meine Entscheidung treffen. Aber so einfach war das nicht mit den Listen. Der Inhalt meiner Listen sollte besser schon sortiert aufgelistet werden. Am besten wäre es, mir zuerst  Überschriften für die Listen zu überlegen. Und eine Negativliste musste ich anlegen. Darin würde alles stehen, was auf keinen Fall in den Listen auftauchen dürfte. Jeden einzelnen Punkt auf meinen Listen müsste ich, nachdem ich ihn aufgelistet hätte, genau abwägen. Ich würde alle Folgen, die kurzfristigen und die langfristigen, bedenken und dann die einzelnen Punkte gewichten. Ich beschloss, mir zunächst ein Bewertungssystem zu überlegen. Objektiv müsste es sein und weitsichtig. Auf keinen Fall dürfte ich die Auswirkungen zu kurzfristig beurteilen. Aber wie aussagekräftig wären langfristige Prognosen? Nur drei Punkte dürften auf meinen Listen nachher übrig sein. Diese drei Punkte müssten alles Positive umfassen und gleichzeitig alles Negative ausschließen. Nicht nur für mich, für alle! Mir war klar, dass die Zukunft der Menschheit,  unseres Planeten, sogar des Universums von diesen drei Punkten auf meinen Listen abhängen würde. Mächtig viel Verantwortung! Versteht ihr jetzt, warum ich an diesem Tage nicht zur Arbeit gehen konnte? Und ein falscher Satz, eine unbedachte Äußerung, und die Chance wäre vertan oder schlimmer: die Konsequenzen dieses Satzes könnten verheerend sein. Man kennt das doch, es gibt genügend Geschichten darüber. Sie sollten zur Warnung dienen. Und klar machen, dass man diese Aufgabe nicht auf die leichte Schulter nehmen durfte. Nun, ich war schon immer ein besonders verantwortungsvoller Mensch gewesen. „Krämerseele“ hatte meine Frau mich genannt, bevor sie ging. Aber diese gewissenhafte  Krämerseele war es, die auserwählt wurde. Sie war zu mir gekommen! Ganz sicher, weil sie wusste, dass ich ihr Angebot sehr ernst nehmen und diese einmalige Chance nicht durch ein paar unbedachte Sätze versauen würde. Sie vertraute mir. Wenn nur mehr Zeit zum Überlegen wäre. Mehr Zeit zum Auflisten und Abwägen. Plötzlich wusste ich, was der erste von den drei Punkten auf meiner Liste sein musste: Mehr Zeit!  –  um die nächsten beiden Punkte mit all ihren Konsequenzen, allen Vor- und Nachteilen, auch im Hinblick auf viele Jahre im Voraus, zu formulieren, zu bedenken und schließlich zu bewerten. Mehr Zeit!  – Das war das Ergebnis eines ganzen Tages des Nachdenkens und Auflistens. Sie kam am frühen Morgen des nächsten Tages, und ich  präsentierte ihr mein Ergebnis. Kurz nachdem sie gegangen war, rief mein Chef an und meinte, weil ich gestern nicht zur Arbeit gekommen wäre, sei ein wichtiger Geschäftsabschluss danebengegangen. Er hätte sich entschieden, in Zukunft auf meine Arbeitskraft zu verzichten. Ich war erstaunt, wie schnell und mühelos sich die Dinge entwickelten. Aber eigentlich hatte ich nie daran gezweifelt. Nun hatte ich genügend Zeit, alles aufzulisten, zu bewerten und abzuwägen. Als erstes ging ich mir noch mehr Blöcke und Bleistifte und Radiergummis kaufen. Dann begann ich mit einer Liste, in die ich die Überschriften der Listen auflistete, und ich begann, ein Bewertungschema zu entwickeln. Ich kam gut voran und merkte gar nicht, wie die Zeit verging. Aber ich hatte ja genug davon. Ich aß und schlief, ging kurz zum Einkaufen und arbeitete an meinen Listen. Irgendwann kamen Leute und wollten wissen, was genau ich da täte. Ich erklärte es ihnen. Sie meinten, ich müsste umziehen, weil ich die Miete schon lange nicht mehr bezahlt hätte. Ich zog um. Meine Listen durfte ich mitnehmen. Einmal ging mir das Papier aus, da habe ich meine Listen auf die Tapete geschrieben. Ich solle Bescheid sagen, wenn ich mehr Papier bräuchte, haben sie dann gemeint. Ich bekomme Papier, Bleistifte, etwas zum Essen und sie waschen meine Wäsche. Sie haben verstanden, dass ich mich vollkommen meinen Listen widmen muss. Sie wissen um die große Verantwortung, die ich auf mich genommen habe. Ich werde diese Aufgabe gewissenhaft zu Ende bringen.

Und dann wird sie wieder kommen und mich nach den beiden anderen Wünschen fragen.

Manchmal ändern sich unsere Ansichten, wenn wir genauer hinsehen.