heute vor 100 Jahren – Leseprobe aus „Heute keine Schüsse“

05.01.1920, Donnerstag
Die Arbeitslosigkeit nimmt zu. Die letzten Kriegsgefangenen kehren heim.
Überall auf den Straßen sieht man hagere, müde Männer mit Pappschildern Suche Arbeit.
Heute wurde das Reichsamt für Arbeitsvermittlung eröffnet. Viele hoffen auf Friedrich Syrup vom Demobilisierungsministerium und darauf, dass es ihm gelingt, die Kriegsheimkehrer in Brot und Arbeit zu bringen
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13.01.1920, Dienstag   
Die Arbeiter demonstrierten am Mittag auf dem Königsplatz. Sie fürchten um ihre Rechte. Es war eine große Menschenmenge, Männer und Frauen. Selbst auf meinem Heimweg durch den Tiergarten traf ich noch auf Demonstranten. Die Stimmung war angespannt und gereizt, auch Schüsse fielen.
Später berichtete das Berliner Abendblatt von zweiundvierzig Toten und vielen Verletzten. Politiker von USPD und KPD wurden verhaftet.
Ich denke an Fritz. Ob er sicher ist in Moskau?
 Am Abend sagte Elsa, dass ihr Bruder Phillip nach Döbritz gegangen sei, um sich den Feldgrauen der Brigade Ehrhardt anzuschließen. Er könne den falschen Frieden der Republik nicht ertragen. Er wolle der radikalen Linken die Stirn bieten – und das mit militärischen Mitteln. Elsa fürchtet um den Bruder, der sich weit von ihr entfernt hat.
… Bei Phillip war es sicher nicht die Flucht vor einer geregelten Arbeit, die ihn bewogen hat, alle bürgerlichen Beschäftigungen abzulehnen. Es ist die Sehnsucht nach der ehrlichen, aufrichtigen Kameradschaft, nach einer Ordnung, die ihm Berlin in seiner Zerrissenheit nicht geben kann.

10.01.1920, Sonnabend

Der Frieden ist nun tatsächlich gemacht. Der Friedensvertrag von Versailles ist unterschrieben. So wird man nun die Forderungen des Vertrages erfüllen müssen.

Beim Frühstück im Adlon am Brandenburger Tor diskutierten am Nebentisch Geschäftsleute den Vertrag. Sie waren sich einig: Deutschland wird die Forderungen des Vertrages niemals erfüllen können. Die Hälfte der Eisenerzförderung und ein Viertel der Steinkohleförderung soll als Wiedergutmachung an die Entente geliefert werden. Dazu siebzehn Prozent der Kartoffelernte und dreizehn Prozent der Weizenernte. Dabei wurden die großen Ländereien im Osten an Polen gegeben. Womit soll das Reich seine Bürger ernähren? Darüber hinaus muss Deutschland Leistungen in Geld, Gold und Sachleistungen erbringen: Lokomotiven, Schiffe, ja ganze Industrieanlagen gehen nach Frankreich und England. Wie soll das Volk wieder auf die Beine kommen? Viele meinen, die Regierung und das Volk müssen gegen den Vertrag sprechen. Dazu die Demobilmachung. Keine Marine, keine Flugzeuge, keine Panzer. Eine Demütigung! Ein Staat ohne schlagkräftige Armee ist kein richtiger Staat, sagen die Nationalen.

Es herrscht immer noch Hochwasser an Rhein und Mosel. Die Schifffahrt wurde eingestellt, dadurch gibt es kaum noch Kohlelieferungen nach Berlin und das mitten im Winter.  Die Rohstoffe sind knapp und teuer. Von Wilhelm weiß ich, dass das Rheinland lieber gegen Devisen ins Ausland liefert. Die Reichsmark verliert immer mehr an Wert, je stärker die Regierung die Notenpresse einsetzt, um den Haushalt auszugleichen.

Die Berliner Betriebe fordern von ihren Arbeitern mehr Arbeit für weniger Lohn. Es gibt wieder Streiks in Berlin.

03.01.1920, Sonnabend
Keine Züge aus dem Ruhrgebiet. Streik der Eisenbahner überall im Reich. Die Gewerkschaft begründet den Streik mit der wachsenden finanziellen Not ihrer Mitglieder.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                

1920

 01.01.1920, Donnerstag

Mit großem Spektakel hat Berlin das neue Jahr begrüßt.

Ich habe Ernst zum Silvesterball im Palmensaal des Esplanades begleitet. Zwar gibt es seit März als Folge des Belagerungs­zustandes wieder ein Tanzverbot, aber die Berliner kümmert das wenig. Es war turbulent. Ernst ist ein guter Tänzer, er könnte im Esplanade wohl auch Geld als Eintänzer verdienen. Die Damen der Gesellschaft schienen recht vertrauten Umgang mit ihm zu haben. Sie mögen sein vornehmes Benehmen, seine schlanke Figur, die wohlformulierten Komplimente. Ich hoffe, er gibt Margarete keinen Grund zur Eifersucht. Vielleicht werde ich mit der Schwester reden. Sie sollte Ernst zu diesen Anlässen begleiten, anstatt zu Hause Teegesellschaften zu geben.

Den Schwager hielt es nicht lange auf dem Ball. Und so zogen wir in einer fidelen Gruppe weiter in eines der Lokale, wie es jetzt viele in Berlin gibt. Wo bis morgens getanzt und ge­trunken wird. Hier verkehren Geschäftsleute und Unternehmer, die in einer Nacht ein Vielfaches von dem ausgeben, was ihre Arbeiter in einem Monat verdienen. Dazwischen die Mädchen, die auf eine einträgliche Bekannt­schaft hoffen. Und die mittellosen Künstler, die dem Reichtum hofieren in der Hoffnung auf einen Mäzen oder nur ein reichhaltiges Mahl.

So ist Berlin: Hier das wilde Tanzen und Vergnügen, rastlos und zügellos, und daneben die Millionen in großer Not.

Heute Morgen im BT die Neujahrsansprache des Reichspräsidenten. Ebert fordert alle Deutschen auf, in der Not zusammen zu stehen und gemeinsam jeder da, wo er stehe, für den Wiederaufbau des Vaterlandes sein Äußerstes zu tun. Werden die Demokraten ihm folgen? Seinen Worten fehlte das Pathos, das das deutsche Volk so sehr liebt.

Witten, 26.12.1919, Freitag, Weihnachten

Hochwasser an Rhein, Mosel und Main. In Köln wurde der Hafenverkehr eingestellt. Wilhelm befürchtet, dass schon bald die Ruhr über die Ufer treten könne. Er überlegt, das im Tal gelegene Werk zu räumen.

Für die nächsten Tage ist zudem strenger Frost vorausgesagt. So wird der Vater vorerst nicht mit nach Berlin kommen.

Margarete plant ebenfalls, noch länger in Witten zu bleiben und Auguste etwas zur Hand zu gehen. Als ob Auguste die Hilfe ihrer Schwägerin benötigt! Es ist wohl eher das alte Heimweh, das Margarete die Abreise hinausschieben lässt.

Mich braucht Radke in Berlin. Die Hängung für die Ausstellung beginnt. Ernst wird mich begleiten, er möchte ungern auf die Silvesterfeiern in Berlin verzichten. Als er sich leichten Herzens von Margarete und den Mädchen verabschiedete, meinte er augenzwinkernd:

„Man erwartet, dass ich in der Illustrierten Wochenzeitung exklusiv über die Silvesterspektakel berichte.“

Witten, 25.12.1919, Donnerstag, Weihnachten

Erste Friedensweihnacht seit 1914. Und die erste Weihnacht ohne die Mutter und Ludwig. Dank meiner Nichten und Neffen sind es dennoch fröhliche Weihnachtstage. Viel Lachen und leichtes Plaudern. Paul freute sich unbändig, seine kleine Freundin Elise wieder zu sehen. Marie-Cläre ist nun auch schon ein halbes Jahr alt. So lange ist die Mutter schon tot. Augustes Wunsch nach einem Mädchen hat sich nicht erfüllt. Im September wurde Heinrich geboren. Es gab Scherze und Späße über das ungerechte Schicksal, das beiden Familien das falsche Baby bescherte. Ob man nicht tauschen solle. Natürlich meint niemand dies ernsthaft. Einzig mein Schwager hielt sich zurück, er scheint immer noch zu grollen, weil ihm bis heute kein Stammhalter vergönnt ist.

Das politische Reden war ruhiger als die letzten Jahre. Als würde auch in unserer Familie so langsam der Frieden einkehren. Der Vater war sehr angetan von meiner Empfehlungsliste. Er wird die Bilder selbst in Augenschein nehmen und plant, uns nach den Festtagen nach Berlin zu begleiten. Nur Wilhelm kommt mir angespannt und niedergeschlagen vor. Er nimmt sich kaum Zeit für eine ruhige Mahlzeit. Eilt auch während der Feiertage immer wieder zur Fabrik. Beim Nachmittagsspaziergang sprach ich Auguste darauf an. Sie erzählte, dass ihn die Bedingungen des Friedens bedrücken.

„Die Demobilmachung. Man verlangt nun von unseren Arbeitern, dass sie die Granaten, die sie einst gebaut haben, selbst zerstören. Das ist hart. Es trübt die Stimmung und die Arbeitsfreude. Außerdem gibt es einen Mangel an billigen Arbeitskräften zu beklagen. Unsere Fremdarbeiter aus dem besetzten Belgien sind heimgekehrt, und die Sprecher der deutschen Arbeiter fordern mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Der Achtstundentag ist ein gutes Beispiel. Die Gewerkschaften machen den Arbeitern Versprechen und die Unternehmer müssen nachher dafür gerade stehen.“

Ich war erstaunt, wie sachkundig Auguste über diese Angelegenheiten sprach. Kumpelhaft hängte sie sich bei mir ein, prüfte, ob das Kindermädchen mit dem Kinderwagen nachkam und meinte lächelnd:

„Allerdings brauchen wir uns um die Zukunft keine Sorgen zu machen. Es sind viele da, die Brot und Arbeit brauchen. Und zu tun gibt es auch genug. Der Vater hat Wilhelm Aufträge aus dem Ausland vermittelt. Außerdem werden Kohle und Stahl immer gebraucht. Wilhelm hat große Pläne im Maschinenbau: Teile für Lastwagen, Lokomotiven. Und die Linke ist ja wohl endgültig geschlagen und das Gespenst der Enteignung damit auch.“

05.12.1919, Freitag

Gestern ging ich auf dem Heimweg von Radke am König Wilhelm Gymnasium in der Viktoriastraße vorbei. Gedächtnisfeier für die gefallenen Schüler stand am Eingang plakatiert, darunter die Namen der Gefallenen. Mehr als hundert Schüler waren aufgelistet. Sogar Sechzehnjährige sind in den Krieg gegangen. Und gerade von den ganz jungen, den unerfahrenen, sind nur wenige heimgekehrt. In ihrer Seele verletzt, sind sie für das Lernen und Studieren auf ewig verdorben.

Ich muss dringlich mit Radke über eine Gedächtnis­ausstellung sprechen. Es soll mehr sein als ein einfaches Gedenken. Ein Vermächtnis soll es sein. Kein einfaches Erinnern, sondern ein Mahnen.

Man muss die Jungen gewinnen, dass sie die Werke der Toten würdigen und vollenden. Ob Radke mein Anliegen versteht? Ob ich überhaupt einem beibringen kann, was ich meine? Jetzt fehlt Ludwig, der so leicht diese Dinge in Worte zu fassen vermochte.

Die jungen Poeten sollen die Werke der gefallenen Maler und Bildhauer beschreiben. Die jungen Maler sollen die Lyrik und die Prosa der toten Dichter mit Graphiken illustrieren. Es soll eine Ausstellung werden und eine Lesung. Vielleicht findet man auch einen Komponisten, begabt, mit großer Zukunft, der auf dem Feld geblieben ist, dessen Musik soll der Rahmen sein. Ich wünschte mir, Radke gäbe mir freie Hand für dieses Projekt. Man muss in den Akademien anfragen und an den Kunstgewerbeschulen. Und Ernst muss genügend Finanzen bekommen, um einen ganz außergewöhnlichen Katalog aufzulegen.

18.11.1919, Dienstag
Heute sagt Hindenburg vor dem Ausschuss für Kriegsschuld aus.
 
19.11.1919, Mittwoch
Ernst erzählte, dass Hindenburg vor dem Ausschuss für Kriegsschuld erklärt habe, die Truppe sei im Feld unbesiegt gewesen, der Krieg sei nur verloren worden, weil die Revolutionäre in der Heimat dem Heer in den Rücken fielen.
Die Revolution habe dem Heer im letzten Augenblick den Dolch in den Rücken gestoßen.
So scheint es, als werde man nun den Fürsprechern des Friedensvertrages die Last der Niederlage aufbürden.
 
09.11.1919, Sonntag
Revolutionsfeiertag.
Vor einem Jahr hat Scheidemann die Deutsche Republik ausgerufen.
Noch ist es unmöglich, das Ganze zu übersehen. Wird es der Regierung gelingen, das Chaos zu bewältigen? Die Nationalversammlung ist innerlich zerrissen. Parteien, die einander hassen und bekriegen. Dabei müssten sie jetzt zusammenstehen, um gegen die Verelendung der Massen zu kämpfen. Überall Arbeitslose. Kurzarbeit, Entlassungen, Schließungen. Wer Arbeit hat, wird ausgebeutet. Es gab in den letzten Monaten keinen Tag ohne Streik. Dazu der Kohlemangel. Auch die Zeche in Witten fördert für das Ausland, statt ins Inland zu liefern. Und die Bestimmungen des Friedensvertrages laden dem deutschen Volk eine enorme Bürde auf. Sein Ansehen in der Welt ist geschädigt. Die Demobilmachung und die Reparationszahlungen werden Wirtschaft und Heer für lange Zeit zu Boden drücken.
Täglich kehren Kriegsgefangene heim. Radkes Sohn Phillip ist immer noch nicht frei. Die deutsche Regierung hat an Frankreich appelliert, die Kriegsgefangenen freizulassen.

08.11.1919, Sonnabend

Zu Mittag haben Ernst und ich in der Markgrafenstraße Radkes Einladungsliste besprochen.

Ernst sagte mir, dass Hugo Haase gestern gestorben sei. Angeblich habe ein Geisteskranker geschossen. Aber niemand glaubt diese Version. So wird Mord zum Mittel des politischen Disputs und mir scheint, das Volk gewöhnt sich daran.

Trotz der eisigen Kälte und des schmerzenden Knies spazierte ich mit Margarete und den beiden Mädchen zur Spree. Es war ein liebliches Bild, wie die kleine Elise ihr Schwesterchen im Kinderwagen schob, sorgsam darauf bedacht, dass das Gefährt dem Ufer der Spree nicht zu nahe kam. Margarete wird langsam mit Berlin vertraut. Sie erzählte, dass Frau Radke sie in ihre Kreise eingeführt habe:

„Alles gute, angesehene Menschen. Man glaubt sich fast im heimischen Witten. Die gleichen Themen und Sorgen. Ich begleite Trude gerne zu den privaten Kaffeegesellschaften. Ich denke, ich werde in der nächsten Zeit selbst einige Einladungen geben. Trude hat mich überredet, mit ihr über den Kurfürstendamm zu flanieren. Dieses Romanische Café sagt mir allerdings gar nicht zu. Wie ein großer Bahnhofswartesaal: dunkel, ungemütlich, schlechter Kaffee und alter Kuchen. Dazu unordentlich gekleidete Menschen, die lauthals lachen und debattieren. Ja“, Margarete nickte, sich erinnernd, „tatsächlich eine Stimmung wie in einer Wartehalle.“

Ich dachte an Werner und die andern Künstler: Maler, Dichter, Komponisten, deren liebster Treffpunkt das Romanische Café ist. Die vortreffliche Beobachtungsgabe meiner großen Schwester: eine Wartehalle der Künstler. Warten auf Inspiration, Ruhm, den gelungenen Vertragsabschluss, den reichen Mäzen, die Aufnahme in die richtige Vereinigung, die hilft, den Weg zu bereiten auf die großen Bühnen und in die bekannten Ausstellungshallen.

Margarete rühmte Elsa, die liebenswerte Tochter Radkes. Dass sie so herzlich mit den Kleinen umgehe und immer zur Stelle sei, wenn eine zusätzliche Hand bei den Kindern gebraucht werde. Ob ich wohl wisse, dass das Mädchen ein großes Interesse an mir habe und sich eine gewisse Hoffnung mache, fragte sie.

„Wohl ist es eher Radke, der eine bestimmte Hoffnung hegt“, entgegnete ich lachend. Doch Margarete ließ mir meine leichtfertige Einstellung in dieser Angelegenheit nicht durchgehen. Sie nahm mir das Versprechen ab, behutsam mit der jungen Elsa umzugehen.

30.09.1919, Dienstag

Die Nationalversammlung tagt zum ersten Mal im Reichstagsgebäude. Anscheinend ist Berlin nun bereit für seine Regierung.

22.08.1919, Freitag

Das BT schreibt, dass die Deutschnationalen und die Unabhängigen der Vereidigung ferngeblieben sind. Ein kindisches Benehmen. Mir scheint, diese Parteien müssen die Demokratie erst noch lernen. Viele scheinen keine demokratische Zukunft zu wollen.

Dazu Ullsteins Zeitung, die gerade heute ein Bild des Reichspräsidenten gemeinsam mit Noske in Badekleidung bringt. Eine Aufmachung, die eines Reichspräsidenten wahrlich nicht zur Ehre gereicht. Dazu der Text:

Bei solchem Personal kann die Republik nur baden gehen.

 

21.08.1919, Donnerstag

Vereidigung Eberts in der Nationalversammlung.

14.08.1919, Donnerstag

Heute tritt die neue Verfassung in Kraft. Noch immer hält sich die Regierung in Weimar auf. Es wird Zeit, dass sie in die Hauptstadt zurückkehrt.

aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

als Taschenbuch, Hardcover, e-Book

erhältlich bei:

jeder örtlichen Buchhandlung

oder z.B. auch bei  AmazonThalia , Weltbild 

auch direkt beim Tredition-Verlag

Neuer Krimi – Todesstrafe

Leider wurde mein neuer Krimi „Todesstrafe“ (Arbeitstitel) vom Verlag nicht angenommen. Thema und Ausführung sagten ihnen durchaus zu, aber sie wollten gerne eine Krimi-Reihe daraus machen und dazu sollte ich die ermittelten Kommissare so verändern, dass sie zu Serienhelden taugen. 

Das große Problem: Ich tauge nicht zum Serien-Krimi-Autor.  Ich habe viel zu viele andere Themen und Buch-Genre-Ideen im Kopf, um jedes Jahr einen neuen Krimi zu schreiben. Immerhin will der „Heute“, ein indirekter Nachfahre meines Protagonisten in „Heute Keine Schüsse“,  endlich literarisch zum Leben erweckt werden und etwas Humorvolles schwirrt mir noch im Kopf herum und da ist dieser Fantasy-Jugend-Roman, dessen Exposé in meiner Ideenschublade liegt und einige Kurzgeschichten …  

Ich habe den Vorschlag des Verlages abgelehnt. 

Also leider (zunächst) kein Verlags-Vertrag für „Todesstrafe“.  Ich überlege, auf welchen Weg ich den Roman schicke. Als Manuskript an andere Verlage oder ins Selfpublishing oder ganz etwas anderes. 

Die BuchBerlin im November 2018

Nach der interessanten Erfahrung mit der Homburger Buchmesse habe ich mich in November 2018 zur BuchBerlin getraut. 

Obwohl es nach der Frankfurter und der Leipziger Buchmesse die drittgrößte Buchmesse in Deutschland sein soll, ist sie doch etwas ganz anderes als die Frankfurter Buchmesse. Mit der Leipziger Messe kann ich sie nicht vergleichen, weil ich da noch nie war.

Wer den Andrang der Frankfurter Buchmesse ( als Besucher) gewöhnt ist, denkt, dass es etwas mehr Besucher hätten sein können. 

Die beiden Messetage waren sehr angenehm mit ausgezeichneter Organisation und vielen interessanten Gesprächen. Immerhin zum großen Teil Berliner – also ein ganz besonderes Publikum für meinen Roman „Heute keine Schüsse“, der im Berlin der Weimarer Republik spielt.  Das machte auch den Charme der Gespräche aus. Viele konnten sich, zumindest aus Erzählungen, an die Orte, die im Buch beschrieben sind, erinnern. Besonders meine Spurensuche, die die damaligen Orte mit dem heutigen Berlin verknüpft stieß auf großes Interesse. 

Rückblickend bleibt zu sagen, dass es zwei spannende Tage waren, die ich nicht missen möchte, dass aber der Messebesuch den Verkauf von „Heute keine Schüsse“ nicht beeinflusst hat, wenn man von den verkauften Exemplaren auf der Messe selbst absieht.    

BuchBerlin2018

 

 

Heft über Spurensuche als PDF

Auf der  BuchBerlin  haben mich viele auf das Info-Heft „Spurensuche“ angesprochen.

Leider war das Heft nicht im Verkauf.  Für alle, die Interesse an den Bildern und Informationen über die Spuren der Weimarer Republik im heutigen Berlin haben, stelle ich hier das Heft als PDF ein.

Spurensuche – Heute keine Schüsse

Einige Fotos ( von Büchern, die ich bei der Recherche benutzt habe) musste ich aus urheberrechtlichen Gründen herausnehmen.

Buchmesse in Homburg/Saar

Die Homburger Buchmesse 2018
Einen eigenen Büchertisch auf der Buchmesse. Eine neue Erfahrung mit neuen Kontakten, Ansichten und Einsichten, die ich erst noch sortieren muss.
Aber schon jetzt ein herzliches Danke an den Initiator Ulrich Burger vom Ulrichburger-Verlag. Seinem Engagement und dem Einsatz der vielen Helfer im Hintergrund ist es zu verdanken, dass sich Bücher aus allen Genres einem großen Publikum präsentieren können.

Neues Schauspielhaus am Nollendorfplatz in Berlin

Ich stelle mir gerne vor, wer alles schon über diese Stufen ging im Neuen Schauspielhaus am Nollendorfplatz.

Erwin Piscator leitete dort 1927/1928 die Piscator Bühne, Ernst Trollers „Hoppla, wir leben“ und Max Brods/Hans Reimanns, „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ wurden hier uraufgeführt.

 

 

 

in der Nachkriegszeit wurde das Gebäude als Kino und Diskothek (Metropol) genutzt. 2005 war es ein Tanzlokal (Club Goya)

01.08.1914 aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

Es war der 1. August 1914.

Wir alle, Studenten und Professoren, zogen vom Pariser Platz zum Lustgarten. Hunderte waren wie wir Unter den Linden unterwegs. Es hieß, der Kaiser spräche. Als wir vor dem Stadtschloss ankamen, warteten über hunderttausend Menschen auf ihren Kaiser. Arbeiter, Angestellte, Studenten, Gelehrte, Professoren, Künstler. Alle sangen. Das Deutschlandlied und die Hymne des Kaisers Heil dir im Siegerkranz.

Großer Jubel, als der Kaiser auf den Balkon des Schlosses trat und rief:  „Ich kenne keine Parteien mehr. Ich kenne nur noch Deutsche.“ Es gab viel Beifall. Auch mich ergriff das erhebende Gefühl, Teil einer starken und gerechten Bewegung zu sein.

Vom Berliner Stadtschloss Portal IV aus hat Liebknecht zu den versammelten Menschen im Lustgarten gesprochen. Von diesem Portal aus hielt auch Kaiser Wilhelm seine berühmte Balkonrede zum Beginn des 1. Weltkrieges.

Im Informationspavillon zum Berliner Stadtschloss wird  der Bereich um das Schloss als Modell gezeigt. Geschichtskundige Mitarbeiter des Humboldt-Forums beantworten geduldig und mit viel Engagement sämtliche Fragen.

Des Vaterlandes Kochtopf aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

„Voller Enthusiasmus zitierte Margarete aus dem Vorwort: Die Küchenfrage ist eine Bewaffnungsfrage geworden, um dem englischen Aushungerungsplan wirkungsvoll zu begegnen. Ich glaube nicht, dass Margarete wusste, was die Seeblockade der Engländer tatsächlich für das Volk bedeutete.“

Ich mag alte Kochbücher. Und so habe ich solange die Antiquariate durchstöbert  (online), bis ich ein Exemplar von „Des Vaterlandes Kochtopf“ gefunden hatte. Das kleine Heftchen über sparsames Wirtschaften  wurde in großer Stückzahl an die Bevölkerung verteilt, die unter der Nahrungsmittelknappheit im 1. Weltkrieg litt. Die arme Berliner Bevölkerung wäre allerdings froh gewesen, wenn sie sich die Lebensmittel, die in dem Heft beschrieben sind, überhaupt hätte leisten können.

 

03.06.1917, Sonntag aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

„Übermorgen werden die Gemälde der Galerie Flechtheim versteigert. Der Salon Cassirer übernimmt die Veräußerung.“

Alfred Flechtheim und Paul Cassirer waren angesehene Galeristen, Kunsthändler und Verleger  im Berlin der Weimarer Zeit. Alfred Flechtheim war ein geradezu besessener Kunstsammler. Seine Wohnung glich einem Museum.                                                                          Tilla Durieux war Schauspielerin und mit Paul Cassirer verheiratet.

Beide wohnten zeitweise in der Bleibtreustraße 15/16  in Berlin Chalottenburg/Wilmersdorf. Noch heute werden hier luxuriöse Großraumwohungen ( bis 400 m²) vermietet.

Manchmal ändern sich unsere Ansichten, wenn wir genauer hinsehen.