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Die Wirklichkeit ist nur ein Teil des Möglichen. Dürrenmatt

Neuer Krimi – Todesstrafe

Leider wurde mein neuer Krimi „Todesstrafe“ (Arbeitstitel) vom Verlag nicht angenommen. Thema und Ausführung sagten ihnen durchaus zu, aber sie wollten gerne eine Krimi-Reihe daraus machen und dazu sollte ich die ermittelten Kommissare so verändern, dass sie zu Serienhelden taugen. 

Das große Problem: Ich tauge nicht zum Serien-Krimi-Autor.  Ich habe viel zu viele andere Themen und Buch-Genre-Ideen im Kopf, um jedes Jahr einen neuen Krimi zu schreiben. Immerhin will der „Heute“, ein indirekter Nachfahre meines Protagonisten in „Heute Keine Schüsse“,  endlich literarisch zum Leben erweckt werden und etwas Humorvolles schwirrt mir noch im Kopf herum und da ist dieser Fantasy-Jugend-Roman, dessen Exposé in meiner Ideenschublade liegt und einige Kurzgeschichten …  

Ich habe den Vorschlag des Verlages abgelehnt. 

Also leider (zunächst) kein Verlags-Vertrag für „Todesstrafe“.  Ich überlege, auf welchen Weg ich den Roman schicke. Als Manuskript an andere Verlage oder ins Selfpublishing oder ganz etwas anderes. 

Die BuchBerlin im November 2018

Nach der interessanten Erfahrung mit der Homburger Buchmesse habe ich mich in November 2018 zur BuchBerlin getraut. 

Obwohl es nach der Frankfurter und der Leipziger Buchmesse die drittgrößte Buchmesse in Deutschland sein soll, ist sie doch etwas ganz anderes als die Frankfurter Buchmesse. Mit der Leipziger Messe kann ich sie nicht vergleichen, weil ich da noch nie war.

Wer den Andrang der Frankfurter Buchmesse ( als Besucher) gewöhnt ist, denkt, dass es etwas mehr Besucher hätten sein können. 

Die beiden Messetage waren sehr angenehm mit ausgezeichneter Organisation und vielen interessanten Gesprächen. Immerhin zum großen Teil Berliner – also ein ganz besonderes Publikum für meinen Roman „Heute keine Schüsse“, der im Berlin der Weimarer Republik spielt.  Das machte auch den Charme der Gespräche aus. Viele konnten sich, zumindest aus Erzählungen, an die Orte, die im Buch beschrieben sind, erinnern. Besonders meine Spurensuche, die die damaligen Orte mit dem heutigen Berlin verknüpft stieß auf großes Interesse. 

Rückblickend bleibt zu sagen, dass es zwei spannende Tage waren, die ich nicht missen möchte, dass aber der Messebesuch den Verkauf von „Heute keine Schüsse“ nicht beeinflusst hat, wenn man von den verkauften Exemplaren auf der Messe selbst absieht.    

BuchBerlin2018

 

 

Heft über Spurensuche als PDF

Auf der  BuchBerlin  haben mich viele auf das Info-Heft „Spurensuche“ angesprochen.

Leider war das Heft nicht im Verkauf.  Für alle, die Interesse an den Bildern und Informationen über die Spuren der Weimarer Republik im heutigen Berlin haben, stelle ich hier das Heft als PDF ein.

Spurensuche – Heute keine Schüsse

Einige Fotos ( von Büchern, die ich bei der Recherche benutzt habe) musste ich aus urheberrechtlichen Gründen herausnehmen.

heute vor 100 Jahren – Leseprobe aus „Heute keine Schüsse“

18.11.1919, Dienstag
Heute sagt Hindenburg vor dem Ausschuss für Kriegsschuld aus.
 
19.11.1919, Mittwoch
Ernst erzählte, dass Hindenburg vor dem Ausschuss für Kriegsschuld erklärt habe, die Truppe sei im Feld unbesiegt gewesen, der Krieg sei nur verloren worden, weil die Revolutionäre in der Heimat dem Heer in den Rücken fielen.
Die Revolution habe dem Heer im letzten Augenblick den Dolch in den Rücken gestoßen.
So scheint es, als werde man nun den Fürsprechern des Friedensvertrages die Last der Niederlage aufbürden.
 
09.11.1919, Sonntag
Revolutionsfeiertag.
Vor einem Jahr hat Scheidemann die Deutsche Republik ausgerufen.
Noch ist es unmöglich, das Ganze zu übersehen. Wird es der Regierung gelingen, das Chaos zu bewältigen? Die Nationalversammlung ist innerlich zerrissen. Parteien, die einander hassen und bekriegen. Dabei müssten sie jetzt zusammenstehen, um gegen die Verelendung der Massen zu kämpfen. Überall Arbeitslose. Kurzarbeit, Entlassungen, Schließungen. Wer Arbeit hat, wird ausgebeutet. Es gab in den letzten Monaten keinen Tag ohne Streik. Dazu der Kohlemangel. Auch die Zeche in Witten fördert für das Ausland, statt ins Inland zu liefern. Und die Bestimmungen des Friedensvertrages laden dem deutschen Volk eine enorme Bürde auf. Sein Ansehen in der Welt ist geschädigt. Die Demobilmachung und die Reparationszahlungen werden Wirtschaft und Heer für lange Zeit zu Boden drücken.
Täglich kehren Kriegsgefangene heim. Radkes Sohn Phillip ist immer noch nicht frei. Die deutsche Regierung hat an Frankreich appelliert, die Kriegsgefangenen freizulassen.

08.11.1919, Sonnabend

Zu Mittag haben Ernst und ich in der Markgrafenstraße Radkes Einladungsliste besprochen.

Ernst sagte mir, dass Hugo Haase gestern gestorben sei. Angeblich habe ein Geisteskranker geschossen. Aber niemand glaubt diese Version. So wird Mord zum Mittel des politischen Disputs und mir scheint, das Volk gewöhnt sich daran.

Trotz der eisigen Kälte und des schmerzenden Knies spazierte ich mit Margarete und den beiden Mädchen zur Spree. Es war ein liebliches Bild, wie die kleine Elise ihr Schwesterchen im Kinderwagen schob, sorgsam darauf bedacht, dass das Gefährt dem Ufer der Spree nicht zu nahe kam. Margarete wird langsam mit Berlin vertraut. Sie erzählte, dass Frau Radke sie in ihre Kreise eingeführt habe:

„Alles gute, angesehene Menschen. Man glaubt sich fast im heimischen Witten. Die gleichen Themen und Sorgen. Ich begleite Trude gerne zu den privaten Kaffeegesellschaften. Ich denke, ich werde in der nächsten Zeit selbst einige Einladungen geben. Trude hat mich überredet, mit ihr über den Kurfürstendamm zu flanieren. Dieses Romanische Café sagt mir allerdings gar nicht zu. Wie ein großer Bahnhofswartesaal: dunkel, ungemütlich, schlechter Kaffee und alter Kuchen. Dazu unordentlich gekleidete Menschen, die lauthals lachen und debattieren. Ja“, Margarete nickte, sich erinnernd, „tatsächlich eine Stimmung wie in einer Wartehalle.“

Ich dachte an Werner und die andern Künstler: Maler, Dichter, Komponisten, deren liebster Treffpunkt das Romanische Café ist. Die vortreffliche Beobachtungsgabe meiner großen Schwester: eine Wartehalle der Künstler. Warten auf Inspiration, Ruhm, den gelungenen Vertragsabschluss, den reichen Mäzen, die Aufnahme in die richtige Vereinigung, die hilft, den Weg zu bereiten auf die großen Bühnen und in die bekannten Ausstellungshallen.

Margarete rühmte Elsa, die liebenswerte Tochter Radkes. Dass sie so herzlich mit den Kleinen umgehe und immer zur Stelle sei, wenn eine zusätzliche Hand bei den Kindern gebraucht werde. Ob ich wohl wisse, dass das Mädchen ein großes Interesse an mir habe und sich eine gewisse Hoffnung mache, fragte sie.

„Wohl ist es eher Radke, der eine bestimmte Hoffnung hegt“, entgegnete ich lachend. Doch Margarete ließ mir meine leichtfertige Einstellung in dieser Angelegenheit nicht durchgehen. Sie nahm mir das Versprechen ab, behutsam mit der jungen Elsa umzugehen.

30.09.1919, Dienstag

Die Nationalversammlung tagt zum ersten Mal im Reichstagsgebäude. Anscheinend ist Berlin nun bereit für seine Regierung.

22.08.1919, Freitag

Das BT schreibt, dass die Deutschnationalen und die Unabhängigen der Vereidigung ferngeblieben sind. Ein kindisches Benehmen. Mir scheint, diese Parteien müssen die Demokratie erst noch lernen. Viele scheinen keine demokratische Zukunft zu wollen.

Dazu Ullsteins Zeitung, die gerade heute ein Bild des Reichspräsidenten gemeinsam mit Noske in Badekleidung bringt. Eine Aufmachung, die eines Reichspräsidenten wahrlich nicht zur Ehre gereicht. Dazu der Text:

Bei solchem Personal kann die Republik nur baden gehen.

 

21.08.1919, Donnerstag

Vereidigung Eberts in der Nationalversammlung.

14.08.1919, Donnerstag

Heute tritt die neue Verfassung in Kraft. Noch immer hält sich die Regierung in Weimar auf. Es wird Zeit, dass sie in die Hauptstadt zurückkehrt.

aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

als Taschenbuch, Hardcover, e-Book

erhältlich bei:

jeder örtlichen Buchhandlung

oder z.B. auch bei  AmazonThalia , Weltbild 

auch direkt beim Tredition-Verlag

Buchmesse in Homburg/Saar

Die Homburger Buchmesse 2018
Einen eigenen Büchertisch auf der Buchmesse. Eine neue Erfahrung mit neuen Kontakten, Ansichten und Einsichten, die ich erst noch sortieren muss.
Aber schon jetzt ein herzliches Danke an den Initiator Ulrich Burger vom Ulrichburger-Verlag. Seinem Engagement und dem Einsatz der vielen Helfer im Hintergrund ist es zu verdanken, dass sich Bücher aus allen Genres einem großen Publikum präsentieren können.

Neues Schauspielhaus am Nollendorfplatz in Berlin

Ich stelle mir gerne vor, wer alles schon über diese Stufen ging im Neuen Schauspielhaus am Nollendorfplatz.

Erwin Piscator leitete dort 1927/1928 die Piscator Bühne, Ernst Trollers „Hoppla, wir leben“ und Max Brods/Hans Reimanns, „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ wurden hier uraufgeführt.

 

 

 

in der Nachkriegszeit wurde das Gebäude als Kino und Diskothek (Metropol) genutzt. 2005 war es ein Tanzlokal (Club Goya)

01.08.1914 aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

Es war der 1. August 1914.

Wir alle, Studenten und Professoren, zogen vom Pariser Platz zum Lustgarten. Hunderte waren wie wir Unter den Linden unterwegs. Es hieß, der Kaiser spräche. Als wir vor dem Stadtschloss ankamen, warteten über hunderttausend Menschen auf ihren Kaiser. Arbeiter, Angestellte, Studenten, Gelehrte, Professoren, Künstler. Alle sangen. Das Deutschlandlied und die Hymne des Kaisers Heil dir im Siegerkranz.

Großer Jubel, als der Kaiser auf den Balkon des Schlosses trat und rief:  „Ich kenne keine Parteien mehr. Ich kenne nur noch Deutsche.“ Es gab viel Beifall. Auch mich ergriff das erhebende Gefühl, Teil einer starken und gerechten Bewegung zu sein.

Vom Berliner Stadtschloss Portal IV aus hat Liebknecht zu den versammelten Menschen im Lustgarten gesprochen. Von diesem Portal aus hielt auch Kaiser Wilhelm seine berühmte Balkonrede zum Beginn des 1. Weltkrieges.

Im Informationspavillon zum Berliner Stadtschloss wird  der Bereich um das Schloss als Modell gezeigt. Geschichtskundige Mitarbeiter des Humboldt-Forums beantworten geduldig und mit viel Engagement sämtliche Fragen.

Des Vaterlandes Kochtopf aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

„Voller Enthusiasmus zitierte Margarete aus dem Vorwort: Die Küchenfrage ist eine Bewaffnungsfrage geworden, um dem englischen Aushungerungsplan wirkungsvoll zu begegnen. Ich glaube nicht, dass Margarete wusste, was die Seeblockade der Engländer tatsächlich für das Volk bedeutete.“

Ich mag alte Kochbücher. Und so habe ich solange die Antiquariate durchstöbert  (online), bis ich ein Exemplar von „Des Vaterlandes Kochtopf“ gefunden hatte. Das kleine Heftchen über sparsames Wirtschaften  wurde in großer Stückzahl an die Bevölkerung verteilt, die unter der Nahrungsmittelknappheit im 1. Weltkrieg litt. Die arme Berliner Bevölkerung wäre allerdings froh gewesen, wenn sie sich die Lebensmittel, die in dem Heft beschrieben sind, überhaupt hätte leisten können.

 

03.06.1917, Sonntag aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

„Übermorgen werden die Gemälde der Galerie Flechtheim versteigert. Der Salon Cassirer übernimmt die Veräußerung.“

Alfred Flechtheim und Paul Cassirer waren angesehene Galeristen, Kunsthändler und Verleger  im Berlin der Weimarer Zeit. Alfred Flechtheim war ein geradezu besessener Kunstsammler. Seine Wohnung glich einem Museum.                                                                          Tilla Durieux war Schauspielerin und mit Paul Cassirer verheiratet.

Beide wohnten zeitweise in der Bleibtreustraße 15/16  in Berlin Chalottenburg/Wilmersdorf. Noch heute werden hier luxuriöse Großraumwohungen ( bis 400 m²) vermietet.

20.07.1917, Freitag aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

Anschließend gingen wir zum Hotel Esplanade am Potsdamer Platz. Die Bellevuestraße hinunter boten Straßenhändler Schwarzware an. Neben dem überdachten Eingang des Hotels saß stumm ein altes Weiblein. Es hatte allerlei Gesticktes auf dem klapprigen Holztisch neben sich ausgebreitet.

Das Hotel „Esplanade“ war ein beliebter Treffpunkt der wohlhabenden Berliner Gesellschaft. Es wurde im 2. Weltkrieg zum großen Teil zerstört. Der Potsdamer Platz ist heute mit dem Sony Center ein Wahrzeichen des modernen Berlins. Wer genau hinschaut, kann jedoch noch Hinweise auf das  alte Hotel Esplanade entdecken. Überreste davon wurden in die Fassade des Sony Centers integriert