Archiv der Kategorie: So ist die Lage

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Leute, die gegen die Demokratie auftreten, schreiben nicht „Diktatur“ auf ihre Fahne – so einfach machen sie es uns nicht.

 

Leseprobe aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

22.03.1927, Dienstag

Das BT meldet Zusammenstöße zwischen KPD und NSDAP in Lichtenberg. Thälmann soll unter den Demonstranten gewesen sein, er sei durch einen Säbelhieb verletzt worden.

06.05.1927, Freitag

Die NSDAP und alle ihre Unterorganisationen wurden nach den Ausschreitungen in Berlin im gesamten Kreis Berlin-Brandenburg aufgelöst. Keine Nachricht von Phillip. Elsa sorgt sich um den Bruder. Ernst ist bemüht, etwas über seinen Verbleib in Erfahrung zu bringen.

08.05.1927, Sonntag

     Zum Reichsfrontsoldatentag des Stahlhelms werden über hunderttausend Teilnehmer erwartet. Die Rote Fahne berichtet, dass sich auch der Rotkämpferbund bereithält. Wieder fürchtet man blutige Auseinandersetzungen in Berlin.

31.03.1928, Sonnabend

Die Ortsgruppe Berlin-Brandenburg der NSDAP wird wieder zugelassen. Ob die Gruppe verboten ist oder nicht, ändert nichts am provokativen Auftreten ihrer Sympathisanten in der Öffentlichkeit.

28.04.1928, Sonnabend

Goebbels, Gauleiter der NSDAP für Berlin-Brandenburg, wurde in Berlin wegen Beleidigung zu zwei Wochen Haft verurteilt.

16.11.1928, Freitag

Phillip lud mich zur Kundgebung der NSDAP im Berliner Sportpalast ein. Dort, wo Max Schmeling von tausenden seiner Fans bejubelt wurde, wo schon Thälmann und Brüning gesprochen haben, wo jedes Jahr das Sechstagerennen stattfindet, dort wollte nun auch Hitler zu seinen Anhängern sprechen. Ich fuhr tatsächlich nach Schöneberg. Ich wollte sehen, wer den Plakaten mit der Ankündigung der Rede folgte. Menschenströme. Zu Fuß, mit der Elektrischen oder im eigenen Wagen mit Chauffeur. Viel Jungvolk. Arbeiter. Angestellte. Bestimmt sind nicht alle Anhänger der NSDAP. Sicherlich viele Neugierige, so wie ich. Schon bald fanden die Menschen drinnen keinen Platz mehr. Vor dem Sportpalast herrschte eine gespannte Stimmung. Braunhemden gegen den Roten Frontkämpferbund.

Später berichtete der Lokalanzeiger von Gewalt und Verletzten. Hitlers Rede hatte die Stimmung aufgeheizt.

17.11.1928, Sonnabend

Phillip brachte mir den Illustrierten Beobachter vorbei, die Wochenillustrierte der NSDAP. Darin steht:

Die brausenden Beifallschöre und die donnernde Melodie des Jubels der Massen haben bewiesen, dass der Nationalsozialismus in Berlin fest Fuß gefasst hat und durch nichts mehr in seinem Zug aufgehalten werden kann.

Ich muss Phillip Recht geben: Anscheinend habe ich den Einfluss des Parteivorsitzenden und seine rednerischen Qualitäten falsch eingeschätzt.

13.12.1928, Donnerstag

Tatsächlich haben die Reden von Hitler und Goebbels die Stimmung so sehr aufgeheizt, dass der Polizeipräsident heute ein Demonstrationsverbot erlassen hat.

01.04.1929, Ostermontag

Zum Essen bei Radke. Mit Phillip über das Buch Volk ohne Raum von Hans Grimm diskutiert.

Phillip ist ganz gewiss kein geistloser Mitläufer. Es erstaunt mich, wie intensiv er sich mit der Schrift von Oswald Spengler, Untergang des Abendlandes, auseinandersetzt. Aus Arthur Moeller van den Brucks Schrift Das dritte Reich vermag er sogar wörtlich zu zitieren. Obwohl ich den Inhalt der Zitate nicht auf ihre Wahrheit überprüfen kann. Phillip vertritt die Idee einer konservativen Revolution unter einem autoritären Führer. Die alten Werte der Volksgemeinschaft sollen wieder an Bedeutung gewinnen. Ich weiß, dass Phillip mit dieser Idee nicht alleine steht: Viele Konservative aus dem Militär, aus den Hochschulen, der Verwaltung und der Industrie betrachten Parlament und Demokratie der Republik äußerst kritisch. Zu viele demokratische Kompromisse. Zu viel Hin und Her. Sie fordern eine Rückkehr zur Würde und Größe, klare Entscheidungen mit Bestand, kurz: eine starke Führung. Das Alltagsgeschäft der parlamentarischen Demokratie scheint ihnen zu mühsam und zu wenig effektiv.

01.05.1929, Mittwoch

Die SPD lud zu einer Kundgebung in den Glaspalast im ULAP ein. Einzig die Anhänger der KPD versammelten sich im Freien. Sie wollten sich die Straße nicht nehmen lassen. Gemeinsam mit Werner machte ich mich auf nach Wedding. Aus Neugier und im Gedenken an Fritz schloss ich mich den paar tausend Demonstranten an.

„Straße frei! Das rote Wedding kommt!“

Uniformierte des Roten Frontkämpferbundes trugen das Banner. In der Köslinger Straße schoss die Berliner Polizei auf die Demonstranten. Bestürzt von dieser unerwarteten Brutalität zog ich mich eilig zurück. Wieder fahren gepanzerte Fahrzeuge mit Maschinengewehren auf den Straßen Berlins, es gibt Straßenbarrikaden. Ein Aufklärungsflugzeug kreiste über der Stadt und es gab viele Verletzte.

Ich frage mich, ob die Polizei gegen sozialdemokratische Demonstranten genauso erbarmungslos vorgeht.

Ernst berichtete am Abend von Toten. Max Gmeinhardt, Mitglied der SPD, wurde von der Polizei erschossen, als er sich weigerte, sein Wohnungsfenster in der Köslinger Straße zu schließen.

02.05.1929, Donnerstag

Die KPD rief zum Streik als Antwort auf das Vorgehen der Berliner Polizei gegen die Demonstranten auf.

In der Leipziger Straße drückten mir die Kommunisten ein Flugblatt in die Hand:

Zörgiebels Blutmai! − Das ist ein Stück Vorbereitung des imperialistischen Krieges! Das Gemetzel unter der Berliner Arbeiterschaft − das ist das Vorspiel für die imperialistische Massenschlächterei!

 03.05.1929, Freitag

Die Regierung sieht die Schuld an der Eskalation allein auf Seiten der KPD. Sie verbietet den Roten Frontkämpferbund. Im Vorwärts stellt ein Artikel die Anschuldigungen der KPD gegen die Berliner Polizei als maßlos übertrieben dar. Die KPD wiederum beschimpft die SPD als Sozialfaschisten.

10.08.1929, Sonnabend

In Hugenbergs Zeitungen erscheinen immer mehr Hetzartikel gegen den Young-Plan. Die von Hugenberg geführte DNVP und Hitlers NSDAP fordern einen Volksentscheid dagegen, da das Volk durch diesen letzten Reparationsplan auf der Grundlage des Versailler Vertrages weiter versklavt werde.

22.12.1929, Sonntag

Der Volksentscheid ist gescheitert. Die große Mehrheit des Volkes billigt die Inhalte des Young-Plans.

Ernst meinte, die Anstrengungen der vergangenen Monate gegen den Young-Plan hätten nur einem genutzt: Adolf Hitler. Der Vorsitzende der NSDAP ist durch die Kampagne Hugenbergs im gesamten Reich im Gespräch. Davor war Hitler relativ unbekannt, in Zukunft wird er in der Politik des Reiches sicherlich wahrgenommen werden.

14.01.1930, Dienstag

Das BT berichtet von einer Schießerei im Arbeiterbezirk Friedrichshain. Ein junger SA-Gruppenführer ist in seiner Wohnung von einem Mitglied des verbotenen Rotfrontkämpferbundes angeschossen worden.

 15.01.1930, Mittwoch

Phillip war in der Galerie und erzählte, der Angeschossene ist Horst Wessel. Er kennt ihn von einem Ausbildungskurs der Schwarzen Reichswehr.

„Ein junger Mann, der als überzeugter Nationalsozialist schon früh der SA beigetreten ist. Er hat erst im letzten Jahr den Sturm 5 im Arbeiterviertel Friedrichshain übernommen. Das war mutig, wenn man bedenkt, dass Friedrichshain als Hochburg der KPD gilt. Aber Wessel ist unbeirrt mit seinem Sturm durch die Straßen marschiert. Oftmals sogar unter Polizeischutz, weil ihm die linken Schläger Prügel androhten. Und nun ist tatsächlich einer von denen in seine Wohnung eingedrungen und hat versucht, ihn zu erschießen. Ein ganz hinterhältiges Attentat.“

„Wer Wind sät, wird Sturm ernten“, erwiderte ich.

„Es ist doch gewiss eine reine Provokation, wenn die SA-Trupps durch die Wohnbezirke der Rotfrontkämpfer marschieren. Und die Schlägertruppen der SA sind fürwahr durch ihr provokantes, gewalttätiges Auftreten bekannt.“

„Aber dies rechtfertigt nicht die Exekution eines Zweiundzwanzigjährigen“, entgegnete Phillip.

„Und überhaupt, wie kann man einem Zweiundzwanzigjährigen zum Führer eines SA-Sturms machen, noch dazu in diesem Gebiet!“

Aber auch darauf hatte Phillip eine Antwort:

„Man darf die Arbeiterjugend in Friedrichshain nicht den Kommunisten überlassen. Horst Wessel hatte das Zeug, die Arbeiterjugend für die NSDAP zu begeistern. Jugend muss von Jugend geführt werden, lautet die Devise unseres Parteivorsitzenden Hitler. Damit unterscheiden wir uns von den anderen Parteien, die ihre Jugend eng am Gängelband der Funktionäre führen.“

Phillip war gerade gegangen, als Werner erschien.

Er hatte eine andere Version der Geschichte:

„Die Schüsse auf Wessel haben nichts mit den Kommunisten zu tun. Es war ein rein privater Streit. Wessels Wirtin hat sich über Wessels Freundin, eine ortsbekannte Dirne, geärgert und ein paar Bekannte zu Hilfe gerufen, damit sie Wessel und seine Freundin zur Ordnung rufen. Die Auseinandersetzung eskalierte dann.“

Ich weiß, dass es nur wenig braucht, damit eine Auseinandersetzung zwischen den Nationalsozialisten und den Kommunisten blutig und gewalttätig wird. Seit Wochen ziehen beide Truppen durch Berlin und schenken einander fürwahr nichts. Beide liefern sich heftige Schlachten, mit Knüppeln, Messern und nun wohl auch mit Pistolen. Schwer auszumachen, wer jeweils angefangen hat.

Phillip weiß, dass Wessel in das Krankenhaus in Friedrichshain gebracht wurde. Ich hoffe für den Frieden auf den Straßen Berlins, dass Wessel überlebt und die Schuldigen einen fairen, für alle Teile nachvollziehbaren Prozess bekommen.

16.01.1930, Donnerstag

Das BT berichtet, Wessels Notoperation sei erfolgreich verlaufen. Die Täter, eine Gruppe um den Kommunisten Albrecht Höhler, sind verhaftet worden.

22.02.1930, Sonnabend

Werner war wieder zu Besuch. Er war so aufgebracht, dass er noch nicht einmal Platz nehmen wollte.

„Grosz wird der Prozess gemacht. Sein Bild Christus mit der Gasmaske wurde auf einer Ausstellung beschlagnahmt. Nun ist Anklage gegen ihn erhoben worden. Wegen Beschimpfungen der christlichen Kirche. Wir dürfen uns diese dreiste Beschneidung unserer künstlerischen Freiheit nicht länger gefallen lassen!“ Ich hörte Empörung, aber auch Neid aus dem Bericht Werners.

23.02.1930, Sonntag

Horst Wessel stirbt an einer Blutvergiftung.

01.03.1930, Sonnabend

So hat die nationalsozialistische Bewegung ihren ersten Märtyrer. Man bemühte sich, die Beisetzung Wessels als Heldenbegräbnis zu inszenieren. Aber die Bevölkerung nahm wenig Anteil daran. Rechte und Linke indes nutzten den Trauerzug für Provokationen. Der Zug führte unweit des Karl Liebknecht-Hauses, der Parteizentrale der KPD, am Bülow-Platz vorbei. Weil Zusammenstöße zwischen Rechten und Linken befürchtet wurden, verbot man einen Trauerzug zu Fuß. Außerdem war es den Parteigenossen Wessels verboten, Uniform zu tragen. Mir begegnete der Leichenzug in der Linienstraße, ein schwarzer Leichenwagen, von schwarzen Pferden gezogen und von mehr als zehn geschlossenen Wagen gefolgt. Vor und hinter dem Leichenwagen fuhren Lastwagen der Schutzpolizei. Die Seitenwände waren heruntergeklappt, damit man schnell abspringen und eingreifen konnte. Der Zug fuhr zum Grab der Familie Wessel auf dem St. Nikolai-Friedhof im Bezirk Prenzlauer Berg.

Von Phillip erfuhr ich, dass am Grab Fahnen der SA erlaubt waren. Der Gauleiter von Berlin, Goebbels, habe die Grabrede gehalten.

02.03.1930, Sonntag

Die Galerie beteiligt sich an der Ausstellung Rheinische Kunst in Berlin. Die Ausstellung ähnelt sehr unserer Herbstausstellung vom vergangenen Jahr.

Der ehemalige Reichskanzler Wirth, unter Brüning nun Reichsinnenminister, eröffnete die Ausstellung mit einer Rundfunkübertragung durch den Sender Berlin.

03.03.1930, Montag

Der Angriff, die Gauzeitung der Berliner NSDAP, zitiert heute aus Goebbels Grabrede.

Ein junger Mann zeigt der Bewegung, wie man sterben kann und, wenn es nötig ist, auch sterben muss, und fordert: Die Täter müssen zu Brei und Brühe geschlagen werden.

So kommen der Tod Wessels und die Umstände der Tat der Partei wohl sehr gelegen.

Schon zwei Wochen zuvor ließ Goebbels erstmals in der Öffentlichkeit das Lied Die Fahne hoch singen, das der junge SA-Führer selbst auf die Melodie eines Gassenhauers gereimt hatte.

Die Fahne hoch! Die Reihen fest geschlossen! SA marschiert mit ruhig festem Schritt. Kam’raden, die Rotfront und Reaktion erschossen, marschier’n im Geist in unser’n Reihen mit.

20.03.1930, Donnerstag

Die Zahl der Arbeitslosen steigt.

Die Regierung diskutiert darüber, wie man die hohe Arbeitslosigkeit finanzieren kann. Soll man die Beiträge für die Arbeitgeber und Arbeitnehmer erhöhen oder soll das Arbeitslosengeld gekürzt werden? Die DVP weigert sich, die Arbeitgeber weiter zu belasten. Die SPD wiederum will keine Belastung für die Arbeiter.

27.03.1930, Donnerstag

Kabinett Müller zurückgetreten!

Hindenburg ernennt Brüning zum neuen Reichskanzler. In der Voss wird die Frage diskutiert, wie Brüning ohne Mehrheit regieren will. Er selbst sagt, sein Kabinett sei an keine Koalition gebunden. Hindenburg habe ihm zugesichert, er könne notfalls auch gegen das Parlament regieren und zwar mit den Machtmitteln des Reichspräsidenten: Notverordnung oder Auflösung des Reichstags.

 10.09.1930, Mittwoch

Der Führer der NSDAP sprach im Sportpalast. Ich beschloss, trotz des leichten Regens zu Fuß über die Potsdamer Straße zum Sportpalast nach Schöneberg zu gehen. Wieder das gleiche Bild wie vor nicht einmal zwei Jahren: Ganz Berlin schien auf den Beinen. Und alle waren zur großen Veranstaltungshalle unterwegs. Arbeiter, Angestellte, Studenten, Arbeitslose. Vor dem Sportpalast hielten im Minutentakt die Automobile derer, die sich eine Fahrt im eigenen Wagen leisten können: die Fabrikanten, Unternehmer, Geschäftsleute. Alle wollten den Mann hören, der in seinen Reden während der letzten Wochen immer öfter als Gegner der Republik auftrat. Der Mann, der verspricht, das zerstrittene Volk wieder zu einen und sich der Sorgen der Arbeiter und Arbeitslosen anzunehmen.

„Der Nationalsozialismus kämpft für den deutschen Arbeiter, indem er ihn aus den Händen seiner Betrüger nimmt.“

Der Sportpalast bietet Raum für 16.000 Menschen. Dann wurden die Tore geschlossen. Ich blieb, wie so viele, draußen.

15.09.1930, Montag

Hitlers Partei errang 18,5 Prozent, 6,4 Millionen Stimmen nach nur 810.000 im Jahr 1928. Sie wurde zweitstärkste Partei nach der SPD.

So endete diese Wahl mit einer Katastrophe für die Demokratie. Auch die KPD bekam Stimmen dazu, aber weitaus weniger als die NSDAP. Wie wird das Ausland auf dieses Ergebnis reagieren? Wird man noch wagen, Kapital in Deutschland anzulegen?

Von den 577 Abgeordneten im Reichstag sind 143 Sozial­demokraten, aber 107 Nationalsozialisten, 41 Hugenberger, 77 Kommunisten, das sind über 200, die die Republik ablehnen. Werden die übrigen ihre Differenzen beilegen und zusammen arbeiten? Jetzt ist es wichtig, dass die Republik ihrem Volk beweist, dass sie die wirtschaftlichen und sozialen Probleme bewältigen kann. Ansonsten wird sich das Volk von ihr abwenden. Es scheint schon heute kaum noch zu glauben, dass die Republik seine Probleme lösen kann.

16.09.1930, Dienstag

Ernst teilt meine Sorge über den Fortbestand der Republik nicht.

„Die Republik hat schon schlimmere Krisen überstanden. Die NSDAP weiß auch kein Wundermittel gegen die Probleme der Zeit. Soll sie es doch ruhig einmal versuchen. Ihre Glaubwürdigkeit und ihre Kompetenz sind noch den Beweis der Praxis schuldig. Auch sie wird Kompromisse schließen müssen und sich so die Hörner abstoßen.“

Um mich abzulenken, lud er mich zu einem Komödienfilm in den UFA-Palast ein.

Die Drei von der Tankstelle ist ein unterhaltsames, herzerfrischendes Spiel der Akteure mit Lilian Harvey, Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann in den Hauptrollen.

 25.09.1930, Donnerstag

Meine Bedenken gegenüber der NSDAP sind durch Ernsts Argumentation nicht ausgeräumt. Nun berichtet der Vorwärts, Hitler habe in einer Zeugenaussage vor dem Leipziger Gericht erklärt, dass seine Partei nicht mit illegalen Mitteln kämpfe, dies sei gar nicht vonnöten:

Noch zwei bis drei Wahlen, dann werden wir in der Mehrheit sitzen und den Staat so gestalten, wie wir ihn haben wollen.

17.10.1930, Freitag

Wie groß ist die Angst, dass die Republik untergehen möge, wenn sich schon die Schriftsteller zu Wort melden?

Im Beethovensaal richtete Thomas Mann seinen Appell an die Vernunft an die Deutschen. Das Publikum war überwiegend republikanisch oder sozialdemokratisch. Thomas Mann nannte den Nationalsozialismus eine Riesenwelle exzentrischer Barbarei, entstanden aus primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsrohheit.“ Er fragte, ob das wirklich deutsch sei und ob das Wunschbild einer primitiven, blutreinen, herzens- und verstandesschlichten, hackenzusammenschlagenden, blauäugig gehorsamen und strammen Biederkeit diese vollkommene nationale Simplizität in einem reifen, vielerfahrenen Kulturvolk wie dem deutschen überhaupt verwirklicht werden könne. Der Beifall im Saal war groß. Aber die Worte werden die Straße nie erreichen. Sie werden von den Menschen der Straße, den Arbeitslosen, einfachen Arbeitern und Angestellten nicht gehört und nicht verstanden werden. Die Menschen draußen brauchen einfache Worte. Eben die von Mann so verachteten Schlagworte und Simplizitäten sind es, die das einfache Volk versteht und befolgt. Einfache Erklärungen für die Probleme der Zeit und ebenso einfache Lösungen. So sind am Ende ein Adolf Hitler und ein Gauleiter Goebbels dem Volk näher als ein Literaturnobelpreisträger.

22.02.1932, Freitag

Goebbels gab im Sportpalast bekannt, dass der Führer der NSDAP, Adolf Hitler, sich für das Amt des Reichspräsidenten zur Wahl stellt. Ernst berichtete, die Rede Goebbels habe geklungen, als gäbe es an seinem Wahlsieg keinen Zweifel. Goebbels macht Wahlkampf mit der Not der Menschen. Schürt ihre Angst. Selbst vor dem Thema Selbstmord schreckt er nicht zurück. Mich ekelte es, als Ernst mir einen Artikel des Angriff, geschrieben von Goebbels, vorlas. Nachdem er alle Versprechungen der Weimarer Gründungsväter auf ein besseres, gerechteres Leben als Lügen diffamiert hatte, endete der Artikel mit dem Satz:

Das Glück dieses Lebens in Schönheit und Würde vermochten nicht mehr zu ertragen … und dann folgten die Namen der Selbstmörder dieses Monats.

Goebbels benutzt diese Worte der Krise, um der Republik das Vertrauen des Volkes zu entziehen. Es sind nicht die Krisen, die der Republik schaden. Es sind die Menschen, die diese Republik nicht wollen und alles tun, um ein gutes Regieren zu verhindern.

08.04.1932, Freitag

Im Lustgarten fand eine Kundgebung der Eisernen Front für Hindenburg statt. Karl Höltermann vom Reichsbanner erklärte in einem Aufruf:

„Das Jahr 1932 wird unser Jahr sein, das Jahr des endlichen Sieges der Republik über ihre Gegner. Nicht einen Tag, nicht eine Stunde mehr wollen wir in der Defensive bleiben – wir greifen an! Angriff auf der ganzen Linie! Unser Aufmarsch schon muss Teil der allgemeinen Offensive sein. Heute rufen wir – morgen schlagen wir!“

Reichsbanner, Gewerkschaften, SPD und KPD haben sich zum Widerstand gegen Hitler und seine Harzburger Front zusammengeschlossen. Große Menschenmassen. Rote Fahnen. Die schwarz-rot-goldene des Reichsbanners. Viele Vertreter der Gewerkschaft. Es ist eigenartig, eine rote Demonstration für Hindenburg zu sehen. Aber sie sprechen nicht für Hindenburg, was sie vereint, ist ihre Front gegen Hitler.

Ich vermutete Fritz in der Menge, obwohl der Rotkämpferbund der KPD sich nicht beteiligt. Ernst Thälmann lehnt den Schulterschluss mit der SPD gegen die Rechten ab.

29.06.1932, Mittwoch

Das Reich befindet sich im Wahlkampf, rechte und linke Wehrverbände im Kampf gegeneinander. Aufmärsche, Straßenkrawalle.

Jede Partei hat ihre eigene Armee, und alle bekriegen sich auf den Straßen Berlins.

SA und SS für die NSDAP, Stahlhelm für die DNVP, der Reichsbanner marschiert für die SPD und der Rote Frontkämpferbund für die KPD.

Alle in Uniform. Alle unter Waffen. Es herrscht Krieg in vielen Stadtteilen Berlins. Am erbittertsten bekämpfen sich Frontkämpferbund und SA. Man ringt nicht um ein politisches Ziel. Hier führen Anhänger unterschiedlicher Weltanschauungen einen verbitterten Krieg gegeneinander.

Heute waren in der Kantstraße in Charlottenburg die Rotfrontkommunisten. Vorweg die Kapelle, dann Frauen mit Kinderwagen, Arbeiter mit erhobener, geballter Faust, viele Jugendliche. Zustimmung und Provokation von den Menschen am Straßenrand. Gesäumt wurde der Zug von den Sipos, den Sicherheitspolizisten. Die Internationale wurde gesungen. Kurz darauf, als hätten sie es sorgfältig geplant, ein Spielmannszug der SA, vorneweg der Standartenführer, dahinter, im Gleichschritt fast sechshundert Mann. Diszipliniert. Als der Spielmannszug aussetzte, ein Ruf in die Stille aus sechshundert Kehlen:

„Aus dem Feuer der rettenden Rache erschallt unser Kampfruf: Deutschland erwache!“

Alles erfolgte in Takt und Gleichschritt. Dann setzte der Spielmannszug wieder ein. Die Menschen am Straßenrand waren beeindruckt von so viel Gleichschritt, Disziplin und Kraft. Beifall. Heilrufe. Dann wieder erscholl in die Stille des Spielmannszuges: „Deutschland erwache“.

Oft folgen Aufmärsche der SA oder des Stahlhelms den Protestmärschen der Kommunisten oder des Reichsbanners. Manchmal stoßen die Gruppen aufeinander zur blutigen Schlacht.

Manchmal bleibt alles friedlich. Aber die Zeichen sind deutlich: hier der undisziplinierte Haufen der Linken und Kommunisten, dort die Rechten: Zucht und Ordnung. Nicht wenige glauben, dass es das ist, was das Reich am nötigsten braucht: eine mächtige Ordnungsmacht.

 03.07.1932, Sonntag

Auch das ist Wahlkampf, auch das ist die Kantstraße. Ein kleiner Junge, nicht älter als Mäxchen, begegnete mir mit seinem Tretroller. An der Lenkstange waren die Wahlkampffähnchen mit Gummibändern befestigt. Alle friedlich vereint. Rot mit Hammer und Sichel, Schwarz-Rot-Gold, Schwarz-Weiß-Rot, Hakenkreuz auf weißem Grund und dazwischen: Kathreiner Kaffee und die weiße Dame von Persil.

04.07.1932, Montag

Ich war zur großen Demonstration der Kommunisten im Lustgarten. KPD-Abgeordnete mit Sowjetfahnen, dazwischen die roten Fahnen der Einheitsfront.

„Freiheit!“

Der Ruf wurde von Tausenden ausgestoßen, die zugleich die geballte Faust reckten. Mittendrin erkannte ich Fritz, eins mit der Menge, voller Wut, voller Kraft und voller Entschlossenheit. Und am Rande stand ich – wie immer als Beobachter.

Als würde sich die Geschichte wiederholen.

06.11.1932, Sonntag, Wahltag

Wieder Reichstagswahl. Nunmehr die fünfte große Wahl in nur acht Monaten. Ein ruhiger Sonntag. Gespannt erwarten wir den Ausgang der Wahl. Ich weiß vom Vater, dass viele seiner alten Freunde, unter anderem auch Ernst vor Borsig, einen Aufruf mit der Überschrift „Mit Hindenburg für Volk und Reich“ an Hindenburg gesandt haben. Sie sprechen sich darin für die Regierung Franz von Papens, für die DNVP und gegen die NSDAP aus.

 

 

Leseprobe aus „Heute Keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“, Brigitte Krächan

 

 

 

Buchmesse in Homburg/Saar

Die Homburger Buchmesse 2018
Einen eigenen Büchertisch auf der Buchmesse. Eine neue Erfahrung mit neuen Kontakten, Ansichten und Einsichten, die ich erst noch sortieren muss.
Aber schon jetzt ein herzliches Danke an den Initiator Ulrich Burger vom Ulrichburger-Verlag. Seinem Engagement und dem Einsatz der vielen Helfer im Hintergrund ist es zu verdanken, dass sich Bücher aus allen Genres einem großen Publikum präsentieren können.

Wer nicht für den Markt schreibt, darf sich nicht wundern, wenn der Markt ihn ignoriert

„Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“  wurde veröffentlicht. Als Hardcover, Softcover und eBook. Dabei musste ich gleich einmal lernen, dass es nicht verkaufsfördernd ist, wenn ich das Buch zu billig anbiete. Zumindest nicht, wenn ich die leise Hoffnung hege, dass eine Buchhandlung das Buch ins Sortiment nimmt.                            Buchhändler bekommen einen bestimmten Prozentsatz vom Buchpreis und verdienen daher an billigen Büchern fast nichts, da lohnt für sie  ganz einfach der Aufwand nicht.                                                                                                                     Das habe ich eingesehen. Ein Blick auf Amazon zeigt außerdem, dass „billig“ nicht unbedingt ein Alleinstellungsmerkmal ist. Und so ist das Softcover (Format DIN 5) für 16,99 € im Handel. Ein stolzer Preis. Aber es stecken auch viele Informationen und jede Menge Autorenarbeit in den 400 Seiten. Und wer es billiger mag, kann zum eBook greifen -eine echte Preisalternative für 5,99.

 

Selfpublishing heißt, dass ich nicht nur für Cover, Buchsatz  und Lektorat verantwortlich bin, es bedeutet auch, dass ich das Buch an den Leser/in bringen muss.                                                                                   „Sichtbarkeit“ das Zauber-Wort, bei dem ich während meiner Suche nach dem Schlüssel zum (Verkaufs)-Erfolg immer wieder gestoßen bin.                                                                                 Aber Wo mache ich das Buch sichtbar, wenn mir nicht die Werbemittel der Verlage zur Verfügung stehen?                                          Über Buchmessen und Lesungen werde ich berichten, wenn ich im Herbst erste  Erfahrungen damit gesammelt habe.

Das Thema „Rezensionen“ habe ich mit viel Elan gestartet. Die Leserunde bei Lovelybooks läuft und macht richtig Spaß. Ich habe  einige Buchblogger angeschrieben von denen ich meine, dass ein historischer Roman über die Weimarer Republik zu ihrem Blog passen könnte – und warte derzeit auf Antwort.

Was mir richtig viel Kopfzerbrechen, Arbeit und teilweise Frust bereitet, ist das Social Marketing – also die Werbung und mein Auftritt in den sozialen Netzwerken. Okay: Ich habe ein Buch geschrieben und ich nutzte die Foren und Communities auf Facebook und Google + um allen kundzutun, dass ich ein Buch über die Weimarer Republik geschrieben habe und ich mache das Buch durch Lesehäppchen und gezielte Postings  in Gruppen interessant. Auf jeden Fall versuche ich das. Aber irgendwie beschleichen mich leise Zweifel, dass ich im Social Marketing verkaufstechnisch auch nur einen ganz kleinen Fuß in die Tür kriegen werde. Eine  Umfrage unter Autoren-Kollegen hat ergeben, dass ich wohl schon beim Schreiben des Buches den entscheidenden Fehler gemacht habe: Ich habe nicht für den Markt geschrieben. Kein Wunder also, dass mich der Markt ignoriert. Ich kann das Argument sogar nachvollziehen. Aber wenn alle immer nur das schreiben, was der Markt mag, wer schreibt dann das, was der Markt noch gar nicht kennt?  Natürlich ist es einfacher, auf einen bereits fahrenden Zug aufzuspringen, als ihn selbst in Bewegung zu setzen. Aber es muss doch auch eine Form von Social Marketing geben für Bücher, die nicht den Mainstream bedienen nur dass man danach anscheinend nicht fragen darf, so nach dem Motto: Wer nicht für den Markt schreibt, ist selbst schuld, wenn das mit dem Marketing nicht klappt.

Ich habe jetzt beschlossen: Wenn ich schon Social Marketing betreibe, dann nur und ausschließlich auf eine Art und Weise, die mir auch Spaß macht. Falls  „Heute keine Schüsse“ nichts davon hat, will wenigstens ich etwas davon haben.

Heute keine Schüsse – Roman über die Weimarer Republik – oder – Wie ich aus Versehen einen historischen Roman schrieb

Die Rolle des Chronisten: Roman über die Weimarer Republik

oder

Wie ich aus Versehen einen historischen Roman schrieb

Eigentlich sollte es ein Werk der Gegenwart werden. Einen modernen Entwicklungsroman wollte ich schreiben. Die Grundidee ist schnell erzählt: Mein Protagonist, nennen wir ihn „Heute“, weil er in der Gegenwart lebt und bis dato noch keinen Namen hat, ist müde. Lebensmüde. An seinem 30. Geburtstag beschließt „Heute“ seinem Leben ein Ende zu setzen, als er zufällig ein Tagebuch findet. Was Walter, der Chronist des Tagebuches, schreibt, leitet die Wende im Leben des „Heute“ ein. Das Tagebuch spielt in der Weimarer Republik.

Er begibt sich auf Spurensuche und während „Heute“ im Zug nach Berlin sitzt und im Tagebuch liest, kam mir die Idee, dieses Tagebuch tatsächlich zu schreiben. Schließlich wollte ich wissen, was genau mein Protagonist da las. „Heute“ ist der Sohn eines Galeristen, daher sollte auch Walter in einer Galerie arbeiten. Und damit „Heute“ das Geschriebene mit Spannung lesen würde, sollte Walters Geschichte in einer aufregenden Zeit spielen und zudem nahe genug an der Gegenwart wegen der schon erwähnten Spurensuche. So kam ich auf die Idee, Walters Tagebuch im Berlin der Weimarer Republik anzusiedeln. Damit begann mein Abenteuer.

Die Kunst- und Künstlerszene der Zwanziger Jahre

Welche Sprache spricht ein Chronist der Zwanziger Jahre? Wie bewegt er sich fort? Mit Pferdedroschke? Im eigenen Auto? Gab es in Berlin schon eine U-Bahn? Wie fühlte sich das Leben im Berlin der zwanziger Jahre an ? Wie roch es, wenn Walter durch die Straßen ging? Ich las Tagebücher aus dieser Zeit und habe Foto- und Filmmaterial durchgeschaut. Die Kunst- und Künstlerszene der Zwanziger Jahre hat mich so fasziniert, dass ich wochenlang zu Künstlern recherchierte. Paul Cassirer und Alfred Flechtheim, berühmte Galeristen dieser Zeit, wurden mir zu guten Bekannten.

Das Berlin der Weimarer Republik

Als Walter eines Tages seinen Bruder Ludwig im Zeitungsviertel besuchen wollte und ihm die Kugeln der Spartakisten um die Ohren flogen, wurde mir klar, dass es das Berlin der Weimarer Republik ohne Politik und Straßenkampf nicht gibt. Und so recherchierte ich zu Parteien und politischen Ideen und ließ Walter erzählten: Woche für Woche. Jahr für Jahr. Von seiner Arbeit in der Galerie, von den gesellschaftlichen Ereignissen der Großstadt, von seiner Familie, dem dominanten Vater, von seinem Freund Fritz, einem Kommunisten, von seiner großen Liebe, von den politischen und sozialen Unruhen und von den Attentaten in Berlin.

Heute keine Schüsse

Als das Tagebuch des Chronisten Walter abbricht, das Warum sei hier nicht verraten, hatte ich eine Zeitspanne von 1917 bis 1933 beschrieben und vor mir lag ein Manuskript mit mehr als 400 Seiten. Zu umfangreich, um es in einen Roman einzubauen. Und so wurde das fiktive Tagebuch des Galeriegehilfen Walter Schachtschneider unter dem Titel „Heute keine Schüsse“ als historischer Roman veröffentlicht.

„Heute“, der Protagonist des ursprünglichen Romans, sitzt übrigens immer noch im Zug nach Berlin und wartet darauf, dass seine Geschichte weitergeht.

weitere Informationen und Leseprobe:

Auf die Zielgerade eingebogen

Nächste Woche wird mein „Chronist“ unter dem Titel „Heute keine Schüsse“ veröffentlicht.

Es ist schwierig ein Buch professionell zu veröffentlichen. Ohne Hilfe von Fachleuten  hätte ich das Coverdesign und einen professionellen Buchsatz nicht hinbekommen.

Ob der Inhalt interessierte Leser findet, muss sich erst noch zeigen. Auch da wird es ohne die Mittel und Kontakte, die ein Verlag hat, schwierig werden. Die Branche sagt: für jedes gute Buch gibt es eine Leserschaft, man muss sie nur finden.

Ok – dann werde ich mich demnächst einmal auf den Weg machen:

Buch sucht Leser !

 

„das ist gut, was Sie da geschrieben haben, aber leider …“

Heute keine Schüsse

„Der Chronist“  scheint in kein gängiges Verlagsprogramm zu passen.

Aber ich kann das Buch nicht „passend“ schreiben. Also werde ich den Weg des Self-Publishing wählen und den Chronisten unter „Heute keine Schüsse“ bei Tredition veröffentlichen. Streng genommen also kein reines Self-Publishing, da mir Tredition als „Verlagsdienstleister“  einige typische Selbstverleger-Aufgaben abnimmt. Ich muss mir keine Druckerei suchen und nicht überlegen, wie ich an die ISBN Nummern komme. Auch die Listung des Buches auf allen möglichen Plattformen und den Verkauf nimmt mir Tredition ab. Aber Lektorat, Cover, Klappentext … das alles muss ich selbst organisieren.

Gar nicht so einfach, das passende Cover festzulegen, einen Klappentext zu entwerfen, die richtige Schrift zu bestimmen, die Nutzungsrechte der Bilder zu klären …

und Marketing kommt auch noch ….

 

Mein Fazit der Frankfurter Buchmesse

Jetzt weiß ich zumindest ziemlich sicher, was ich nicht will.

Aber vorn vorne: „Der Chronist“, ein fiktives Tagebuch der Weimarer Republik tut sich schwer eine Agentur oder, im besten Falle, einen Verlag zu finden. Dabei ist die Resonanz auf das Manuskript durchaus positiv, es passt aber nicht in die üblichen Verlagsgenre. Ein historischer Roman, der meinen Protagonisten Walter handelnd und liebend in den Mittelpunkt der Geschichte stellt oder ein Krimi, der  in der Weimarer Zeit spielt, hätten es da leichter.

Das ist „Der Chronist“ aber nicht.

Meine Absicht war, die gesellschafts- und kulturpolitischen Ereignisse der Weimarer Zeit, die geschichtlichen Fakten und Details des damaligen Lebens mit einer fiktiven, spannenden Erzählung zu verknüpfen.

Im November 2018 hat die Weimarer Republik 100jähriges Gründungsjubiläum. Der Herbst 2018 wäre also ein guter Zeitpunkt das Buch zu veröffentlichen. Der Weg vom Manuskript zum fertigen Buch ist lang, daher drängt die Zeit.  Auf der Buchmesse habe ich  nach Alternativen zur klassischen Verlagsveröffentlichung gesucht.

Erster Eindruck: Die Selfpublishergemeinde ist auf dem Weg in die Professionalität.  Professionelles Lektorat und Coverdesign  setzen sich immer mehr durch. So eben mal ein Manuskript hochladen, Cover am PC zusammenbasteln,  ISBN  einfügen und ab in den Verkauf ist nicht mehr allgemein bevorzugter Standard. Fast alle Dienstleistungsverlage bieten mittlerweile gute Pakete zur schrittweisen Professionalisierung in Buchinhalt, Buchgestaltung und Buchmarketing an. Es lohnt, Preise und Konditionen zu vergleichen.

Und es gibt da noch die Möglichkeit, das lektorierte Buch selbst drucken zu lassen und in den Verkauf zu bringen. Falls sich die Bücher verkaufen, ist der eigene Gewinn pro Buch natürlich größer, wenn kein anderer Dienstleister mitverdient.  Durchaus eine Überlegung wert, Lektorat und Coverdesign sind nämlich nicht billig.

Erste Sache, die ich auf keinen Fall will: Den Verkauf organisieren. Spätestens bei der Darlegung der Notwendigkeit der Beschaffung einer Verpackungslizenz zum Buchversand war das Thema für mich erledigt.  Aber auch dafür gibt es Dienstleister.

Fazit: Irgendwie werde ich den „Chronisten“  schon professionell in Druck bringen.

Bleibt das Marketing. Es reicht nicht, ein gutes Buch zu schreiben und zu verlegen; die potentiellen Leser müssen  informiert, beworben  und überzeugt werden  gerade dieses tolle  Buch und kein anderes der vielen Neuerscheinungen zu kaufen.

Auch hier bietet die Branche eine Vielzahl an Marketingdienstleistern. Da sollte man vorsichtig sein. Vieles, was  als professionelle Marketingstrategie für teures Geld angeboten wird, z.B. das Buch ins Barsortiment der Buchhändler bringen, ist bei Dienstleistern wie Epubli, Tredition, BoD u.a. kostenloser Standard Und manches funktioniert   nur mit persönlichen Einsatz: Was nutzt eine professionelle Website oder eine Autorenseite bei FB, wenn kein Content geliefert wird? Und mit Lovelybooks lässt sich auch nur die Bekanntheit eines Buches generieren, wenn sich der Autor selbst z.B. in Leserunden engagiert.

Fazit: Marketing ist Arbeit und kann teuer werden.  Man kann vieles, aber nicht alles einkaufen. Marketing ist notwendig, gerade für Selfpublisher.

Und noch ein Fazit,  das ich nach der Buchmesse gezogen habe: Im Marketing ist jeder engagierte Verlag besser aufgestellt als ich das gegenwärtig bin.

Und da beißt sich der Hund  in den Schwanz: Also doch im Verlag veröffentlichen?  Aber bis ich die großen Verlage davon überzeugt habe, gerade den „Chronisten“ zu verlegen, dürfte das Gründungsjubiläum der Weimarer Republik schon lange Geschichte sein.

Als ich dann meine Beute von der Buchmesse sortierte, fiel mir wieder  der Katalog der unabhängigen Verlage in die Hände.

„Wir leben vom Mythos und nicht von der Stückzahl“ (Barbara Kalender und Jörg Schröder,  März Verlag).

Einen Versuch sollte es auf jeden Fall wert sein. Das Manuskript des Chronisten ist derzeit im professionellen Lektorat. Vielleicht kann ich einen der  kleineren Verlage  davon überzeugen  ein bereits lektoriertes Manuskript anzunehmen.

Wenn ich es nicht versuche, werde ich es nie erfahren.