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Leseprobe

 

09.11.1918, Sonnabend
Heute Morgen schallten die Rufe des Zeitungsboten durch das offene Fenster der Galerie:
Extrablatt: Der Kaiser hat abgedankt!
Radke rief von der Treppe aus den Jungen herbei. Überall entlang der Straße öffneten sich die Türen. Jeder schickte nach einem Exemplar des Vorwärts. Darin steht:
Seine Majestät der Kaiser und König haben sich entschlossen, dem Throne zu entsagen. Der Reichskanzler bleibt noch so lange im Amte, bis die Fragen mit der Einsetzung der Regentschaft geregelt sind.
Reichskanzler Max von Baden hat unterschrieben. Niemand glaubt ernsthaft, dass der Kaiser aus freien Stücken zurückgetreten ist. Prinz Max von Baden übertrug Friedrich Ebert das Amt des Reichskanzlers. Seine Partei ist die stärkste im Reichstag.
Radke schloss die Galerie und eilte nach Hause. Auch der Salon Cassirer wurde geschlossen. Die Menschen zog es auf die Straße.
Ich trieb mit der Menge vom Tiergarten am Brandenburger Tor vorbei bis zum Reichstag. Ein großes Warten. Arbeiter im Sonntagsstaat, Frauen mit roten Schleifen, Soldaten, alt und verbraucht, unordentlich, unrasiert in zerschlissenen Uni¬formen, Matrosen, jung, voller Optimismus, Studenten.
Um vierzehn Uhr sprach Phillip Scheidemann vom Balkon des Reichstags:
„Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammen¬gebrochen. Es lebe das Neue. Es lebe die Deutsche Republik.“
Hurrarufe. Hüte flogen in die Luft. Jubel.
Die Menschen vor dem Reichstag erzählten, Karl Liebknecht habe am Stadtschloss, keine zwei Kilometer von hier, die freie sozialistische Republik ausgerufen.
Ich denke an Fritz. Ob ihn die Nachricht vom Abdanken des Kaisers im Gefängnis erreicht?

Während ich dies schreibe, höre ich draußen Maschinengewehrfeuer. Am Stadtschloss, vielleicht auch am Reichstag wird geschossen. Sie kämpfen darum, wer den Kaiser beerbt.

10.11.1918, Sonntag
Die ganze Nacht hindurch: Schüsse, Unruhe.
Berlin ist im Krieg. Ein Bruderkampf. Die USPD und Spartakus fordern die Räterepublik, Scheidemann und die SPD eine parlamentarische Demokratie. Demonstrationen, Schüsse, Tote, Verletzte. Wird das Schicksal des Deutschen Reiches auf der Straße entschieden?

11.11.1918, Montag
Die Waffenstillstandsbedingungen der Entente sind veröffentlicht. Eine Schmach für die Deutschen. Aber von Berlin kommt die Weisung an Erzberger, den Waffenstillstand zu unterzeichnen. Der Vorwärts schreibt:
Der letzte Schuss im Weltkrieg ist verhallt.
Aber niemand scheint die Bemühungen von Staatssekretär Erzberger ehrlich zu unterstützen. Was ist das für ein Frieden, der Berlin in einen Bürgerkrieg stürzt?

In der Nacht wieder Schüsse.

12.11.1918, Dienstag
Heute keine Schießerei.

16.11.1918, Sonnabend
Fritz wurde aus Spandau vorzeitig entlassen. Der Freund besuchte mich und war ungewohnt ernst. Er vermochte kaum still zu sitzen. Immer wieder stand er auf, trat an das Fenster der Stube und blickte auf die Straße. Als ich ihn nach seinen Erlebnissen in Spandau befragte, schüttelte er nur den Kopf und sagte:
„Komm, lass uns zum Stadtschloss gehen. Man sagt, am Marstall könne man die Spuren der Gefechte betrachten.“
Und dann blitzte kurz der alte Übermut in seinen Augen auf:
„Ich möchte sehen, was ich verpasst habe!“
Wir waren in guter Gesellschaft. Trotz der Kälte nutzten die Berliner die letzten Strahlen der Wintersonne, um über die Linden zum Schloss zu spazieren. Man begaffte die Schäden, die die Kugeln an der Sandsteinfassade des Marstalls angerichtet hatten. Alles war friedlich. Sollte die Revolution schon beendet sein?

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28.06.1919, Sonnabend
Die Bevollmächtigten unterzeichnen in Versailles den Friedensvertrag.
Kein Hurra. Kein Fahnenmeer. Keine Feiern im Lichthof. Es feiert sich schlecht mit leerem Magen und bangem Blick auf eine ungewisse Zukunft.

Fritz war da. Ohne Vorankündigung. Er hat Bier und Klaren mitgebracht. Setzte sich an den kleinen Tisch in meiner Stube und zündete sich eine Zigarette an. Ich brachte Schnapsgläser, stellte Brot und Wurst auf einem Brett dazu. Mit ernster Miene klappte Fritz ein Messer auf und schnitt die Hartwurst in dünne Scheiben.
„Ich gehe nach Moskau“, begann er endlich.
„Spartakus hat mir dazu geraten. Ich musste die Arbeit im Kabelwerk Cassirer aufgeben. Dort sind zu viele Denunzianten. Es ist ernst. Zu groß die Gefahr, dass mich dasselbe Schicksal wie Jogiches ereilt. Mutter hat mir von eurem Gang ins Schauhaus erzählt. Sie würde es nicht ertragen, mich ein zweites Mal dort zu suchen.“
Fritz widmete sich nun mit der gleichen Sorgfalt dem Brot. Schnitt exakte Scheiben vom Laib ab.
„Ich habe wenig Hoffnung, dass sich die Idee des Bolschewismus in Deutschland durchsetzen wird.“
Er zeigte auf das Essen vor sich auf dem Tisch:
„Der deutsche Arbeiter kämpft für Brot, nicht für eine Überzeugung. Budich wird mich in Moskau empfehlen. Dort kann ich der bolschewistischen Sache mehr dienen. Ich kann der KPD zuarbeiten, dafür sorgen, dass Informationen und Schriften den Weg ins Reich finden.“
Er bat mich als Freund, nach den Eltern zu sehen. Als Verbindungsmann zu wirken. Geheime Post in Empfang zu nehmen. Briefe an die Adresse der Mutter kämen vermutlich nicht an. Aber niemand würde Verdacht schöpfen, wenn die Galerie internationale Post bekäme. Ich gab ihm meine Hand darauf.
„Da ist noch etwas“, Fritz zögerte, „der Vater. Er spricht oft davon, dass man ihn schon bald, wenn es soweit ist, ins Siechenhaus bringen möge.“
Nie zuvor habe ich den Freund so traurig gesehen.
„Ich bitte nicht für mich, ich bitte für die Mutter, die dir doch auch lieb ist.“
Ich sah, wie sehr Fritz sich quälte.
„Dein Vater wird nicht ins Siechenhaus gehen, dafür werde ich Sorge tragen. Das verspreche ich.“
Und dann war alles gesagt. Die alte Leichtigkeit, die alte Vertrautheit wollte sich nicht mehr einstellen.

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24.12.1922, Sonntag, Weihnachten
Ich bleibe Weihnachten in Berlin, während Ernst mit der Familie nach Witten reist. Ruhige, einsame Tage.
Elsa feiert in der Familie. Sie hoffen, dass Phillip während der Weihnachtstage kommt.

Ich sitze in meiner Stube und sehe zu, wie sich die Viktoriastraße langsam von Passanten leert. Jeder eilt nach Hause, um den Weihnachtsabend mit seinen Lieben zu verbringen. Für mich wäre es ein Leichtes, jetzt mit am Tisch der Familie Radke zu sitzen, als zukünftiger, höchst willkommener Schwiegersohn. Doch niemals könnte ich Elsa die Ehe antragen, niemals könnte ich ihr eine Liebe gestehen, die ich nicht wirklich empfinde. Ernst nennt mich einen naiven Romantiker, weil ich immer noch auf die eine, besondere Liebe hoffe. Für ihn ist das geduldige Warten auf diese einzige Liebe eine Erfindung der Dichter. Bestenfalls geeignet, als Phantasie die Seiten der billigen Groschenhefte zu füllen, die überall in den Kiosken auf dem Kurfürstendamm angeboten werden. Doch für mich kann es ohne diese Liebe keine lebenslange Bindung geben.

31.12.1922, Sonntag
Was hat das vergangene Jahr der Republik gebracht? Demonstrationen und Hass.
Schuldige werden gesucht. Und jeder sieht die Schuld irgendwo anders. Hassgesänge. Es scheint, alle werden gehasst: die Kapitalisten, die Kommunisten, das Militär, die Arbeiter, die Arbeitslosen, die Politiker, die Republik – besonders die Republik, diese große Idee, deren Zweck für die Menschen kaum noch sichtbar ist.
Und zudem haben wir eine Währung, die immer schwächer wird. 7.350 Mark muss man für einen Dollar ausgeben.
Düstere, pessimistische Gedanken.

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13.09.1924, Sonnabend
Ernst hat mir einen Auszug der Frankfurter Zeitung vorbei gebracht: Der Zynismus als Kunstrichtung? In dem Artikel greift Hartlaub, der Direktor der Kunsthalle Mannheim, Künstler wie Dix, Grosz und Schlichter für ihre groteske Abbildung von Kriegskrüppeln an. Er beklagt die ins Lächerliche geführte, überzogene Darstellung von Krüppeln mit vielerlei Prothesen in unwürdigen Lebenssituationen. Er fragt, ob dies wirklich die Richtung sei, die wir für die deutsche Gegenwartskunst wünschen.
Ich glaube nicht, dass aus Dix und Grosz Zynismus spricht. Wer den Krieg in seiner ganzen Grausamkeit erlebt hat, ahnt, dass dies der Weg ist, mit dem man die Folgen des Krieges anklagen muss: Mit dem ungeschönten Blick auf die grausame Wirklichkeit. Nur so, grausam, grotesk überzogen, kann man dem Krieg das Pathos nehmen, das er für allzu viele immer noch hat. Nicht durch Darstellung von Märtyrer, sondern durch die Darstellung des Hässlichen, Widerwärtigen.

Radke hat mich wieder auf die fotografische Ausstellung angesprochen. Elsa habe ihn davon überzeugt, dass eine zeitgemäße Galerie sich dieser Kunstform nicht verschließen könne. Er meint, ich solle mich nach einem geeigneten Thema und den Künstlern umtun.
„Aber meide die Dadaisten! Mit einem John Heartfield oder einer Hannah Höch will ich nicht in Verbindung gebracht werden!“
Ich wundere mich immer wieder, wie durchaus informiert Radke über die neuesten künstlerischen Strömungen ist. Natürlich muss man für eine Ausstellung in der Galerie Radke andere Wege gehen. Ich denke dabei an eine Serie von Porträtaufnahmen eventuell im Stil von Man Ray. Man muss versuchen, die Berliner Persönlichkeiten mit einem ambitionierten Porträtkünstler zusammen zu bringen. Ich denke, dass Ernst mich dabei unterstützen kann. Eventuell sollte man auch die Porträts durch gehobene Modefotografien auflockern. Vielleicht kann ich Seidenstücker, den Alltagsfotografen, gewinnen. Oder Salomon, den jungen Reportagefotografen bei Ullstein.

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28.07.1931, Dienstag
„Meine Eltern waren arbeitslos. Schon seit der großen Geldentwertung. Um nicht auf der Straße zu leben, wurden wir, wie viele andere, zu Trockenwohnern. Man gab uns eine Wohnung in einem Neubau. Der Kalk an den Wänden war noch nicht ausgehärtet. Wir heizten und durften solange billig wohnen, bis die Wohnung trocken war. Danach mussten wir ausziehen. Den vollen Mietpreis konnten wir uns nicht leisten. Sie haben ja keine Ahnung, was das bedeutet. Wie sollten Sie auch. Nasse Wände, klamme Betten. Das Wenige, das wir zum Anziehen hatten, wurde im Winter kaum jemals richtig trocken. Und alle drei Monate mussten wir umziehen. Oft genug in einen anderen Bezirk. Ich hatte nie die Chance, wirklich zur Schule zu gehen. Ich kenne meinen Vater nur hustend, ohne Arbeit. Meist hatten wir nicht einmal das Geld für die Presskohle, um die Zimmer zu heizen. Nasse Kälte. Als meine Mutter mit Fieber lag, musste ich für die zwei Geschwister sorgen. Beide waren nie richtig gesund. Meine Mutter ist nicht mehr aufgestanden. Dann, nach der schlimmen Grippe, war niemand mehr da. Eine Tante hat mich aufgenommen. Endlich hatte ich ein warmes, trockenes Bett. Wahrscheinlich hätte ich um meine Leute trauern müssen, aber ich habe mich gefreut. Über das trockene Bett. Ja, Ihr Schwager hat Recht. Die Tante verdient auf ihre Art Geld. Wenn die Männer kommen, bleibt Anna in der Küche. Als ich zu ihr zog, meinte meine Tante, ich hätte eine ansehnliche Figur. Sie hat mich ins Eldorado vermittelt.
Was wissen Sie und Ihresgleichen schon von der Armut der Menschen in Berlin. Sie schauen sich ein Theaterstück an und diskutieren dann beim Abendessen im vornehmen Hotel, ob die Not der Menschen auch treffend dargestellt wurde. Ich brauche diese Theaterstücke nicht. Ich bin einer der Menschen, von denen diese Stücke handeln. Ich kenne die Menschen auf den Straßen Berlins. Die Gescheiterten, die Obdachlosen, die Kriegskrüppel und die Arbeitslosen. Ich habe in den Wärmehallen geschlafen und in der Suppenküche nach etwas Warmem angestanden. Ich kenne die dunklen Ecken der Bahnhöfe, die geschützten Stellen an den Bahndämmen und unter den Brücken, wo die Menschen nachts zusammenrücken. Wo sie Wärme und Schutz beieinander suchen. Wie Tiere im Rudel. Dazu brauche ich keine Dreigroschenoper. Und ich kenne die Frauen. Was bleibt ihnen, wenn sie keine Arbeit finden? Sie verkaufen sich. Auf jedem Rummelplatz können Leute wie Sie für wenig Geld die jungen Mädchen haben. Ich kenne Dirnen, die in Vergnügungslokalen um die Gunst Betrunkener werben. Immer wieder das gleiche Schicksal, der gleiche Weg: Alkohol. Drogen. Wahnsinn. Krankheit. Tod. Dafür brauche ich keinen Herrn Döblin, damit er mir das in einem Roman beschreibt.

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29.06.1932, Mittwoch
Das Reich befindet sich im Wahlkampf, rechte und linke Wehrverbände im Kampf gegeneinander. Aufmärsche, Straßenkrawalle.
Jede Partei hat ihre eigene Armee, und alle bekriegen sich auf den Straßen Berlins.
SA und SS für die NSDAP, Stahlhelm für die DNVP, der Reichsbanner marschiert für die SPD und der Rote Frontkämpferbund für die KPD.
Alle in Uniform. Alle unter Waffen. Es herrscht Krieg in vielen Stadtteilen Berlins. Am erbittertsten bekämpfen sich Frontkämpferbund und SA. Man ringt nicht um ein politisches Ziel. Hier führen Anhänger unterschiedlicher Weltanschauungen einen verbitterten Krieg gegeneinander.
Heute waren in der Kantstraße in Charlottenburg die Rotfrontkommunisten. Vorweg die Kapelle, dann Frauen mit Kinderwagen, Arbeiter mit erhobener, geballter Faust, viele Jugendliche. Zustimmung und Provokation von den Menschen am Straßenrand. Gesäumt wurde der Zug von den Sipos, den Sicherheitspolizisten. Die Internationale wurde gesungen. Kurz darauf, als hätten sie es sorgfältig geplant, ein Spielmannszug der SA, vorneweg der Standartenführer, dahinter, im Gleichschritt fast sechshundert Mann. Diszipliniert. Als der Spielmannszug aussetzte, ein Ruf in die Stille aus sechshundert Kehlen:
„Aus dem Feuer der rettenden Rache erschallt unser Kampfruf: Deutschland erwache!“
Alles erfolgte in Takt und Gleichschritt. Dann setzte der Spielmannszug wieder ein. Die Menschen am Straßenrand waren beeindruckt von so viel Gleichschritt, Disziplin und Kraft. Beifall. Heilrufe. Dann wieder erscholl in die Stille des Spielmannszuges: „Deutschland erwache“.
Oft folgen Aufmärsche der SA oder des Stahlhelms den Protestmärschen der Kommunisten oder des Reichsbanners. Manchmal stoßen die Gruppen aufeinander zur blutigen Schlacht.
Manchmal bleibt alles friedlich. Aber die Zeichen sind deutlich: hier der undisziplinierte Haufen der Linken und Kommunisten, dort die Rechten: Zucht und Ordnung. Nicht wenige glauben, dass es das ist, was das Reich am nötigsten braucht: eine mächtige Ordnungsmacht.

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15.04.1918, Montag aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

Wie versprochen, bin ich mit Fritz und einer großen Menge Demonstranten vom Bülowplatz in Wedding Richtung Schlossgarten marschiert. Wir skandierten:

„Frieden! Freiheit! Brot!“

Der Zug wurde von Schutzleuten aufgelöst, bevor eine Versammlung stattfand. Es gab Verletzte auf beiden Seiten.

Später saß ich mit einer kleinen Gruppe im Lustgarten und lauschte den Debatten der Kommunisten.

„Nieder mit dem Kaiser und seinen Lakaien!“

Es fällt mir schwer, mitzutun. Ich finde meine Gedanken in den gegrölten Parolen nicht wieder.

Am Bülowplatz im Scheunenviertel in Berlin-Mitte kann man gut Geschichtliches während und nach der Weimarer Republik nachforschen. Er war immer Schauplatz der gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Parteien und Organisationen. Über das Scheunenviertel könnte man einen eigenen Roman schreiben. Es war ein typisches Arbeiterviertel mit Mietkasernen. Die Borsigwerke lagen gleich daneben. Die berüchtigten Ringvereine der Zwanziger Jahre waren (nicht nur) im Scheunenviertel zu Hause. Heute ist keine der ehemaligen Scheunengassen mehr in ihrer ursprünglichen Form erhalten.

Am Bülowplatz selbst steht das Karl Liebknecht Haus, seit 1926 Sitz der KPD und heute Parteizentrale der „Linke“. Die Berliner Volksbühne ist seit 1915 am Bülowplatz beheimatet. 1929 eröffnete an diesem Platz das berühmte Kino Babylon.

Nach dem Aufstieg des Nationalsozialismus wurde der Platz 1933 in Horst Wessel Platz umbenannt zur Erinnerung an Horst Wessel, Sturmführer der SA , einer der „ersten Märtyrer“ des Nationalsozialismus. Nach dem 2. Weltkrieg  hieß der Platz zunächst Liebknechtplatz, dann Luxemburg Platz und schließlich ab 1969 Rosa Luxemburg Platz.

„Denkzeichen“ am Boden des Platzes mit Zitaten von Rosa Luxemburg erinnern an die Weggefährtin Karl Liebknechts. Außerdem weist eine Infotafel auf die ehemalige Bedeutung des Scheunenviertels hin.

 

01.05.1933, Montag aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

Große Maikundgebung der NSDAP auf dem Tempelhofer Feld. Schon am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein marschierten die Arbeiter aus ihren Betrieben in geschlossenen Kolonnen nach Tempelhof. Ein Zug Männer und Frauen begegnete mir am Brandenburger Tor. Arbeiter in Viererreihen, die stolz die Fahne ihres Betriebes vorantrugen. Am Straßenrand Schaulustige. Fast alle zeigten den Hitlergruß. Aus ganz Deutschland werden Arbeiterdelegationen erwartet. Hitler hat den Kommunisten ihren Feiertag gestohlen und den Tag der Arbeit zum Tag der nationalen Arbeit umbenannt. Abends die Rede des Reichskanzlers im Rundfunk.

Man sagt, mehr als eine Million Menschen seien nach Tempelhof gekommen.

 

Der Flughafen Tempelhof war einer der ersten Verkehrsflughäfen  Deutschlands und nahm 1923 den Linienverkehr auf.

2008 wurde er geschlossen.

Im Nationalsozialismus fanden hier die Großkundgebungen der NSDAP statt.

Das ehemalige Flugfeld wird heute als Freizeitpark „Tempelhofer Feld“ von den Berlinern genutzt.

Interessant ist auch das riesige Flughafengebäude, das ab 1936 entstanden ist und 1941 mit einer Gesamtlänge von 1,2 Kilometer und einer Geschossfläche von 307.000 m² eines der längsten und flächengrößten Gebäude Europas ist —  Architektur im Nationalsozialismus eben – direkt daneben war übrigens seit 1934 das KZ Columbia, das man  aber abriss, als das Flughafengebäude in Betrieb genommen wurde.