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Mein Fazit der Frankfurter Buchmesse

Jetzt weiß ich zumindest ziemlich sicher, was ich nicht will.

Aber vorn vorne: „Der Chronist“, ein fiktives Tagebuch der Weimarer Republik tut sich schwer eine Agentur oder, im besten Falle, einen Verlag zu finden. Dabei ist die Resonanz auf das Manuskript durchaus positiv, es passt aber nicht in die üblichen Verlagsgenre. Ein historischer Roman, der meinen Protagonisten Walter handelnd und liebend in den Mittelpunkt der Geschichte stellt oder ein Krimi, der  in der Weimarer Zeit spielt, hätten es da leichter.

Das ist „Der Chronist“ aber nicht.

Meine Absicht war, die gesellschafts- und kulturpolitischen Ereignisse der Weimarer Zeit, die geschichtlichen Fakten und Details des damaligen Lebens mit einer fiktiven, spannenden Erzählung zu verknüpfen.

Im November 2018 hat die Weimarer Republik 100jähriges Gründungsjubiläum. Der Herbst 2018 wäre also ein guter Zeitpunkt das Buch zu veröffentlichen. Der Weg vom Manuskript zum fertigen Buch ist lang, daher drängt die Zeit.  Auf der Buchmesse habe ich  nach Alternativen zur klassischen Verlagsveröffentlichung gesucht.

Erster Eindruck: Die Selfpublishergemeinde ist auf dem Weg in die Professionalität.  Professionelles Lektorat und Coverdesign  setzen sich immer mehr durch. So eben mal ein Manuskript hochladen, Cover am PC zusammenbasteln,  ISBN  einfügen und ab in den Verkauf ist nicht mehr allgemein bevorzugter Standard. Fast alle Dienstleistungsverlage bieten mittlerweile gute Pakete zur schrittweisen Professionalisierung in Buchinhalt, Buchgestaltung und Buchmarketing an. Es lohnt, Preise und Konditionen zu vergleichen.

Und es gibt da noch die Möglichkeit, das lektorierte Buch selbst drucken zu lassen und in den Verkauf zu bringen. Falls sich die Bücher verkaufen, ist der eigene Gewinn pro Buch natürlich größer, wenn kein anderer Dienstleister mitverdient.  Durchaus eine Überlegung wert, Lektorat und Coverdesign sind nämlich nicht billig.

Erste Sache, die ich auf keinen Fall will: Den Verkauf organisieren. Spätestens bei der Darlegung der Notwendigkeit der Beschaffung einer Verpackungslizenz zum Buchversand war das Thema für mich erledigt.  Aber auch dafür gibt es Dienstleister.

Fazit: Irgendwie werde ich den „Chronisten“  schon professionell in Druck bringen.

Bleibt das Marketing. Es reicht nicht, ein gutes Buch zu schreiben und zu verlegen; die potentiellen Leser müssen  informiert, beworben  und überzeugt werden  gerade dieses tolle  Buch und kein anderes der vielen Neuerscheinungen zu kaufen.

Auch hier bietet die Branche eine Vielzahl an Marketingdienstleistern. Da sollte man vorsichtig sein. Vieles, was  als professionelle Marketingstrategie für teures Geld angeboten wird, z.B. das Buch ins Barsortiment der Buchhändler bringen, ist bei Dienstleistern wie Epubli, Tredition, BoD u.a. kostenloser Standard Und manches funktioniert   nur mit persönlichen Einsatz: Was nutzt eine professionelle Website oder eine Autorenseite bei FB, wenn kein Content geliefert wird? Und mit Lovelybooks lässt sich auch nur die Bekanntheit eines Buches generieren, wenn sich der Autor selbst z.B. in Leserunden engagiert.

Fazit: Marketing ist Arbeit und kann teuer werden.  Man kann vieles, aber nicht alles einkaufen. Marketing ist notwendig, gerade für Selfpublisher.

Und noch ein Fazit,  das ich nach der Buchmesse gezogen habe: Im Marketing ist jeder engagierte Verlag besser aufgestellt als ich das gegenwärtig bin.

Und da beißt sich der Hund  in den Schwanz: Also doch im Verlag veröffentlichen?  Aber bis ich die großen Verlage davon überzeugt habe, gerade den „Chronisten“ zu verlegen, dürfte das Gründungsjubiläum der Weimarer Republik schon lange Geschichte sein.

Als ich dann meine Beute von der Buchmesse sortierte, fiel mir wieder  der Katalog der unabhängigen Verlage in die Hände.

„Wir leben vom Mythos und nicht von der Stückzahl“ (Barbara Kalender und Jörg Schröder,  März Verlag).

Einen Versuch sollte es auf jeden Fall wert sein. Das Manuskript des Chronisten ist derzeit im professionellen Lektorat. Vielleicht kann ich einen der  kleineren Verlage  davon überzeugen  ein bereits lektoriertes Manuskript anzunehmen.

Wenn ich es nicht versuche, werde ich es nie erfahren.