24.05.1923, Donnerstag aus „Heute keine Schüsse – Berlin in der Weimarer Republik“

Die Ruhrbesetzung und die Sorge um die Mark nehmen mein ganzes Denken ein. Mir fällt es schwer, mich anderen Dingen zu widmen. In der Galerie gibt es wenig zu tun und wir planen keine neue Ausstellung. Ich warte und weiß nicht, worauf.

So war es gut, dass Ernst darauf bestand, dass ich ihn zur Premiere in die Berliner Volksbühne ins Scheunenviertel begleitete.  Ernst Barlachs Drama Der tote Tag wurde aufgeführt. Ein schweres, düsteres Werk, das den Zuschauer ohne einen Lichtstrahl der Hoffnung zurücklässt. Das Publikum schwieg ergriffen nach dem letzten Vorhang.

 

Die Volksbühne Berlin ist am ehemaligen Bülowplatz.

Am Bülowplatz im Scheunenviertel in Berlin-Mitte kann man gut Geschichtliches während und nach der Weimarer Republik nachverfolgen. Er war immer Schauplatz der gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Parteien und Organisationen. Über das Scheunenviertel könnte man einen eigenen Roman schreiben. Es war ein typisches Arbeiterviertel mit Mietkasernen. Die Borsigwerke lagen gleich daneben. Die berüchtigten Ringvereine der Zwanziger Jahre waren (nicht nur) im Scheunenviertel zu Hause. Heute ist keine der ehemaligen Scheunengassen mehr in ihrer ursprünglichen Form erhalten.

Am Bülowplatz selbst steht das Karl Liebknecht Haus, seit 1926 Sitz der KPD und heute Parteizentrale der „Linke“. Die Berliner Volksbühne ist seit 1915 am Bülowplatz beheimatet. 1929 eröffnete an diesem Platz das berühmte Kino Babylon.

Nach dem Aufstieg des Nationalsozialismus wurde der Platz 1933 in Horst Wessel Platz umbenannt zur Erinnerung an Horst Wessel, Sturmführer der SA , einer der „ersten Märtyrer“ des Nationalsozialismus. Nach dem 2. Weltkrieg  hieß der Platz zunächst Liebknechtplatz, dann Luxemburg Platz und schließlich ab 1969 Rosa Luxemburg Platz.

„Denkzeichen“ am Boden des Platzes mit ZItaten von Rosa Luxemburg erinnern an die Weggefährtin Karl Liebknechts. Außerdem weist eine Infotafel auf die ehemalige Bedeutung des Scheunenviertels hin.